Neuer Aktionärskern für Böhler-Uddeholm

15. August 2001, 19:20
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Eine Analyse von Michael Hann

Wien - Im Falle eines Verkaufs der Sperrminorität der ÖIAG an der Böhler-Uddeholm stünde ein neuer Kernaktionär mit der Böhler-Uddeholm Industrie-Holding der Familien Hable und Fries zur Verfügung. Ernst Hable, der Sprecher der neuen Holding, der auch neu in den Aufsichtsrat des österreichisch-schwedischen Edelstahlherstellers eingezogen ist, sagte im Gespräch mit dem STANDARD: "Wir sehen uns als strategischen Investor und wollen die Anteile langfristig behalten. Böhler-Uddeholm ist zwar im Vergleich zu den Stahlriesen klein, aber ein sehr gut geführtes Unternehmen, das in den Marktnischen, die es bearbeitet, zu den Weltmarktführern zählt und eine interessante Dividendenrendite garantiert."

Stock-Option-Plan wird ausgearbeitet

Die Böhler-Uddeholm Industrieholding hält derzeit knapp unter zehn Prozent der Anteile und ist mit einer zweiten Aktionärsguppe, an der nach Angaben Hables auch Dr. Rudolf Fries beteiligt ist, freundschaftlich verbunden. Diese zweite Holding mit Sitz in Wien hält knapp unter fünf Prozent der Aktien, muss die Anteile aber, weil sie unter der Fünf-Prozent-Marke liegen, nicht offen legen. Weitere 3,5 Prozent hält die Allianz-Versicherung, auf deren Gegenwehr im Falle einer drohenden feindlichen Übernahme nach Ansicht Hables gezählt werden kann. Etwa fünf Prozent könnte über einen Stock-Option-Plan, der gerade ausgearbeitet wird, das Management und die zweite Führungsebene der BU erwerben.

Von ÖIAG Anteile übernehmen

Die Böhler-Industrieholding will weiterhin über die Börse Anteile erwerben, ist aber, so Hable, auch bereit, von der ÖIAG Anteile zu übernehmen. Sie müsste allerdings im Falle eines beherrschenden Einflusses ein Pflichtangebot an alle Aktionäre machen, und das kann so teuer werden, dass es die Finanzmittel der Gruppe übersteigt. Hable ist derzeit über seine Hanova Industrie-Holding mit Sitz in Linz an drei mittleren Unternehmen beteiligt, die rund 800 Millionen Schilling umsetzen und gewinnbringend arbeiten.

ÖIAG an Verkauf nicht interessiert

Die ÖIAG hat vor einer Woche offiziell mitgeteilt, dass sie kein Interesse an einem Verkauf habe. Böhler-Uddeholm-Chef Claus J. Raidl ist dennoch überzeugt, dass das Unternehmen über kurz oder lang verkauft werden wird. Während ÖIAG-Vorstandssprecher Johannes Ditz vehement widerspricht, soll sein Vorstandskollege Peter Michaelis durchaus der Meinung sein, dass der Verkauf sinnvoll wäre.

Grundmodell für Investoren

Keinesfalls Sinn mache, so Raidl, der Verkauf an einen reinen finanziellen Investor. Die britische Gesellschaft CVC, die bekanntlich Lenzing erworben hat, zeigte auch Interesse an der Übernahme von Böhler-Uddeholm. Die Angebote finanzieller Investoren, folgen, so Raidl, alle einem Grundmodell. Für den Erwerb würden durch ein eigens gegründetes Unternehmen Kredite aufgenommen, die Schulden auf Böhler-Uddeholm übertragen und die Darlehen dann durch frei verfügbare Finanzmittel getilgt. Dafür wäre ein Zeitraum von sieben Jahren vorgesehen, in dem Böhler-Uddeholm weder Akquisitionen noch notwendige Investitionen durchführen, sondern im Gegenteil vielleicht noch Konzernunternehmen verkaufen müsste. Die CVC plante, neben Böhler-Uddeholm auch die US-Firma Carpenter Technology Corp. zu erwerben und beide Unternehmen zu verschmelzen. Carpenter mit ihrem Hauptgeschäftssitz in Reading/Pennsylvania ist ein führender Hersteller von Hochleistungslegierungen, Spezialmetallen und Materialien für die Verwendung in der Raumfahrt-, Automobil-, Elektronik-, Konsumgüterindustrie und Medizin.(Michael Hann, DER STANDARD, Printausgabe, 16. August 2001)

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