Der Euro macht das Geldzählen schwer

15. August 2001, 19:30
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Zählmaschinen werden bereits umgestellt

Sieghartskirchen/Wien - Den Anbietern professioneller Münzzählgeräte, wie sie in SB-Foyers und hinter den Budeln heimischer Banken stehen, fällt das Warten auf den Euro besonders schwer.

Josef Künzel von der Sieghartskirchener Firma GZT-Geldzähltechnik zum Beispiel fragt sich, "ob unsere Automaten imstande sein werden, die minimalen Abweichungen in den Metallen der Euro-Münzen aus elf verschiedenen Ländern zu erkennen".

Rasche Durchmischung

Unklar ist laut Künzel, ob es bis zum Euro-Start noch Gelegenheiten genug geben wird, um die von der schwedischen Firma Scancoin importierten Geräte auf die heimischen Bedürfnisse fein abzustimmen. Die da seien: "Österreich als Tourismusland muss mit einer sehr raschen Durchmischung seines Euro-Münzenbestands rechnen. Vor allem aus Deutschland und Italien werden viele ,fremde' Euros mit unterschiedlich geprägten Rückseiten hereinrollen", prognostiziert Künzel. Er ist Geschäftsführer des mit 70 Prozent Marktanteil größten heimischen Anbieters von Geldzählmaschinen.

Besonders nervös macht Künzel die seit drei Jahren von den Banken verlangte Euro-Sicherheitsgarantie für seine Maschinen. Immerhin würden erste Euro-Münzen "aus Sicherheitsgründen" erst am 1. September in Umlauf kommen, Geldscheine würden überhaupt erst mit Währungsstart am 1. Jänner 2002 ausgeliefert: "Und wir müssen die elektrischen Sensoren in unseren Geräten fit für das Zählen von 600 bis 800 Münzen pro Minute machen."

Bewährungsprobe

Zwar hätten in den EU-weit 16 Münzprägeanstalten Möglichkeiten für Tests bestanden, doch die wahre Geldzähl-Bewährungsprobe stehe noch aus: in der Praxis, ab Jahresbeginn 2002.

Eine Sicht der Dinge, der Thomas Kubatschek von der Münze Österreich widerspricht: "Alle Versuche mit Zählautomaten, die ich persönlich mit ansehen konnte, haben mich beruhigt", meint der Projektleiter in Sachen Euro-Umstellung.

Auch sei bei der Europäischen Zentralbank (EZB) schon eine Extrastelle eingerichtet worden - um die erlaubten Abweichungen zwischen Euro und Euro zu erfassen und zu kontrollieren.(Irene Brickner, DER STANDARD, Printausgabe, 16. August 2001)

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