Konjunktur in Japan weiter verschlechtert

15. August 2001, 19:09
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Zentralbank pumpt Geld in die Wirtschaft

Tokio - Die japanische Notenbank hat ihre Einschätzung der Wirtschaftslage des Landes zum dritten Mal in Folge nach unten korrigiert. Eine Fortsetzung der Periode wirtschaftlicher Anpassungen sei unvermeidlich, während sich Investitionen und Haushaltseinkommen weiter abschwächten, hieß es am Mittwoch im August-Monatsbericht der Bank of Japan.

Produktionsrückgang

"Anpassungen der wirtschaftlichen Aktivität intensivieren sich weiter und reflektieren einen deutlichen Rückgang bei Exporten und Produktion", teilte die Zentralbank mit. Sie hatte erst am Vortag entgegen den Erwartungen von Analysten ihre Geldpolitik gelockert, um die schwache Wirtschaft vor der vierten Rezession innerhalb einer Dekade zu bewahren.

"Ultra-Nullzinspolitik"

Unter zunehmendem politischem Druck und angesichts der jüngsten Kursstürze an der Börse entschied die Bank von Japan (BoJ) am Dienstag überraschend, die Liquditätskonten der Geschäftsbanken bei der Notenbank von fünf auf sechs Billionen Yen (54,9 Milliarden. Euro/755 Milliarden Schilling) aufzustocken. Japan sei nun in eine Phase der "Ultra-Nullzinspolitik" eingetreten, wurde Wirtschaftsminister Heizo Takenaka zitiert. Tokios Börse reagierte euphorisch: Der Nikkei-225-Index konnte sich von seinem Vortagessturz auf den tiefsten Stand seit über 16 Jahren mehr als erholen und schloss mit einem Gewinn von 3,8 Prozent bei 11.917,95 Punkten.

Strukturreformen nötig

Die Entscheidung werde zwar eher als ein symbolischer Schritt mit geringen direkten Folgen für die Börse betrachtet. Doch zeige dies zumindest, dass die Zentralbank über die Wirtschaftslage besorgt sei, meinte ein Experte und spielte darauf an, dass die letzte geldpolitische Lockerung fünf Monate zurückliegt, obwohl sich die Wirtschaftslage seitdem weiter rapide verschlechterte. Zentralbank-Gouverneur Masaru Hayami warnte jedoch: Die erneute geldpolitische Lockerung werde letztlich nichts bringen, wenn sie nicht von wirtschaftlichen Strukturreformen begleitet werde. Nur wenige Minuten nach Bekanntgabe der Zentralbank verdeutlichten neue Konjunktureckdaten die Schwere der wirtschaftlichen Probleme Japans. Die Industrieproduktion fiel im Juni um 0,8 Prozent statt der zuvor geschätzten 0,7 Prozent. (Reuters, DER STANDARD, Printausgabe, 16. August 2001)

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