Pappkamerad "Vinzenz" geht in Pension

15. August 2001, 19:53
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Der neue Schrecken der Autofahrer ist - im Gegensatz zu echten Gendarmen - käuflich

Wien - 16 Jahre sind eine lange Zeit. Vor allem wenn man Tag ein, Tag aus an Ortseinfahrten herumsteht und sich nie den Vollbart kratzen kann, weil man die Hände artig am Rücken verschränkt hat. Doch Vinzenz war das egal. Er stand da, bei Hitze, Eis und Schnee - obwohl seine adrette Uniform in letzter Zeit schon antiquiert wirkte. Nicht nur deshalb schickte man ihn nun in Gleitpension.

Am Ende seiner Dienstzeit sprach Vinzenz noch einmal mit dem STANDARD. Eigentlich hieße er ja Walter Schwaiger, gestand er, und habe bei der Gendarmerie lediglich die Ausbildung gemacht. Zum uniformierten Vinzenz mutierte Schwaiger, mittlerweile längst Privatmann, erst 1985: "Aufgrund der Einsparungen standen vor den Schulen immer weniger Schutzmänner. Da hab' ich mir gedacht, dass so ein Pappkamerad genau das Richtige wäre." In weiterer Folge "wanderte" Vinzenz an die Ortseinfahrten. Um Temposünder zum Bremsen zu bewegen. "Anfangs haben wir Vinzenz ohne weißes Kapperl aufgestellt. Das war völlig wirkungslos", erinnert sich Schwaiger. Erst die amtliche Kopfbedeckung machte Vinzenz zum Schrecken der Bundesstraße. Insgesamt über 1000-mal in Österreich.

Dass Vinzenz nun nach und nach ersetzt wird, macht ihn keineswegs traurig. Schließlich trägt sein Nachfolger den gleichen Namen - Vinzenz ist Schutzpatron der Kinder. Es gibt aber auch eine andere Version: Die Herstellerfirma soll den Urentwurf von Vinzenz ohne Ohr erhalten haben, was die Mitarbeiter an van Gogh erinnert haben soll.

Der neue Vinzenz ist übrigens käuflich. Um 3984 Schilling plus Mehrwertsteuer ist er zu haben. Die "Vorlage" heißt Elmar Posch und ist wirklich Gendarm in Tirol. In vier Gemeinden schiebt "Vinzenz II" bereits Dienst.(DER STANDARD, Print- Ausgabe, 16.8.2001)

STANDARD- Mitarbeiter Andreas Tröscher
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