Schwarzgebranntes und MP3-Tausch bescherten Musikbranche Umsatzeinbruch

15. August 2001, 19:19
23 Postings

Firmen wollen mehr CDs mit Kopierschutz

Das illegale Brennen von CDs hat der deutschen Musikindustrie im ersten Halbjahr 2001 einen deutlichen Absatzeinbruch beschert. Mit 108,7 Millionen CDs, LPs, Kassetten und Singles wurden 10,8 Prozent weniger Tonträger verkauft als im gleichen Zeitraum des Vorjahres, wie der Bundesverband der Phonographischen Wirtschaft am Mittwoch zum Auftakt der Musikmesse Popkomm in Köln mitteilte. Auch das Herunterladen von Musikstücken aus dem Internet bringe die Branche weiterhin in große Probleme.

"Jeder macht es, weil es geht"

Hauptgrund für die Krise sei jedoch das massenhafte Brennen von CD-Rohlingen auf privaten Computern. Laut einer Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) wurden in den zwölf Monaten ab April 2000 rund 133 Millionen CDs privat mit Musik bespielt. "Jeder macht es, weil es geht", sagte Verbands-Geschäftsführer Peter Zombik. 14,6 Prozent der Brenner-Besitzer gaben an, weniger CDs zu kaufen. Deshalb wollen die meisten Unternehmen in den kommenden Monaten vermehrt CDs mit Kopierschutz verkaufen, der schon das Abspielen auf dem PC verhindern soll. Zombik forderte außerdem Gesetze, die die Umgehung des Kopierschutzes verbieten.

Bedrückt

An der "bedrückenden Situation" werde sich in den nächsten Monaten nichts ändern, erklärte Zombik. Während der Tonträgermarkt im vergangenen Jahr noch deutlich zulegen konnte, habe man zurzeit ein "massives Problem". Am deutlichsten verloren mit CDs und Singles, die beiden wichtigsten Medien der Branche. Mit 74,6 Millionen Stück wurden 13,3 Prozent weniger verkauft als vor einem Jahr. Positiv sei allerdings der Anstieg nationaler Produktionen, darunter No Angels, Rammstein und Peter Maffay, die zuletzt einen Anteil von 35,8 Prozent ausmachten - gegenüber 22,9 Prozent im ersten Halbjahr 2000.

Schwer getroffen hat die Branche auch die Internet-Piraterie, also das Austauschen und Herunterladen von Musiktiteln über das Internet. Der GfK-Studie zufolge wurden von April 2000 bis März 2001 etwa 316 Millionen Stücke aus dem Netz gezogen. Statt sich CDs zu kaufen, würden Musikfreunde das Geld eher für Computer, Brenner und Software ausgeben, stellte Zombik fest. (APA/AP)

Share if you care.