Chinesische Zeitung nach Kritik an Jiang Zemin geschlossen

15. August 2001, 17:07
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"Es ist eine Warnung"

Die chinesischen Behörden haben die von der staatlichen Akademie der Sozialwissenschaften herausgegebene Zeitschrift "Zhenlide Zhuiqiu" geschlossen, die den Plan von Staats- und Parteichef Jiang Zemin kritisiert hat, auch kapitalistische Unternehmer als Mitglieder in die Kommunistische Partei aufzunehmen. Dies teilten die Herausgeber am Mittwoch mit. Nähere Einzelheiten wollte eine Sprecherin in Peking nicht nennen. Beobachter werteten die Schließung als Rückschlag für dogmatische Marxisten.

Vor der nächsten Plenartagung des Zentralkomitees der KP im Herbst gehen die Behörden verstärkt gegen Medien vor, wenn diese über Korruption und andere sensible Themen berichteten. Jiang hatte die geplante Einbeziehung von Unternehmern in die Partei in einer Rede am 1. Juli bekannt gegeben. Die Partei vertrete nicht länger nur die Arbeiterklasse, sondern auch die "führenden Produktivkräfte".

Die Schließung der Zeitschrift deute darauf hin, dass Jiang diese Haltung als gültige Parteidoktrin betrachtet wissen wolle, die nicht in Frage zu stellen sei, erklärte Joseph Cheng, Direktor des Zeitgenössischen China-Forschungszentrums der Universität Hongkong. "Es ist eine Warnung. Es zeigt, dass es sogar für die Linken Dinge gibt, die sie besser nicht anrühren sollten." (APA/AP)

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