Die Einsätze der NATO auf dem Balkan

23. August 2001, 17:27
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"Wesentliche Ernte" fällt vergleichsweise klein aus

Brüssel - Mit der Mission "Wesentliche Ernte" in Mazedonien zeigt die NATO zum dritten Mal militärische Präsenz auf dem Balkan. Insgesamt engagierte sich die Allianz seit Beginn des Zerfalls von Jugoslawien fünf Mal in der Region. Mit 3500 Soldaten fällt die Entwaffnungsmission im Vergleich zu den Einsätzen in Bosnien-Herzegowina und im Kosovo vergleichsweise klein aus. Dorthin entsandte die Allianz bis zu 60.000 Soldaten. Von kleinerem Ausmaß waren auch zwei Missionen zur Überwachung der Adria sowie zur Hilfe für tausende Kosovo-Flüchtlinge in Albanien.

- 1992 überwacht die NATO in der Adria die Einhaltung des UNO-Embargos gegen Serbien und Montenegro. Nach der Bombardierung von Dubrovnik an der Küste Dalmatiens kontrollieren NATO und Westeuropäische Union den Schiffsverkehr, um Lieferungen von Waffen und Munition an alle Kriegsparteien im auseinanderfallenden Vielvölkerstaat Jugoslawien zu verhindern.

- Nach der Unterzeichnung des Bosnien-Friedensabkommens von Dayton am 14. Dezember 1995 in Paris erhält die NATO das Mandat für die Umsetzung der militärischen Aspekte des Abkommens. 1996 werden 60.000 Soldaten aus 30 Ländern in ganz Bosnien stationiert. Die multinationale "Implementation Force" (IFOR) soll die Einhaltung der Waffenruhe zwischen Serben und moslemischen Kroaten in Bosnien-Herzegowina überwachen. Nach dem friedlichen Verlauf der Wahlen im September 1996 wird die IFOR zur Stabilisierungstruppe SFOR, die Truppenstärke wird auf 30.000 Soldaten reduziert. Heute zählt die SFOR noch 16.400 Soldaten.

- Mit dem Kosovo-Krieg tritt die Allianz erstmals in Konflikt mit einem souveränen Staat. Die umstrittene NATO-Mission "Allied Force" gegen Jugoslawien dauert von März bis Juni 1999. An der täglichen Bombardierung von militärischen Zielen im Kosovo, in Serbien und Montenegro sind fast 600 Flugzeuge aus 13 NATO-Mitgliedsländern beteiligt. Bei den Angriffen sterben auch Zivilisten. Nach dem Rückzugsbeginn der serbischen Truppen stellt die NATO am 10. Juni nach 78 Tagen ihre Luftangriffe ein. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen verabschiedet die Resolution 1244, die die sofortige Entsendung der multinationalen Schutztruppe KFOR in den Kosovo vorsieht und am 12. Juni in Kraft tritt. Bis zu 46.000 Soldaten wurden in die Region entsandt.

Ende 1998 waren bereits 2000 NATO-Soldaten in Mazedonien stationiert, um den Beobachtern der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) im Kosovo im Bedarfsfall zu helfen. Mit den ersten Anzeichen für einen Frieden im Kosovo wird diese Truppe auf 12.000 Soldaten verstärkt, die die Vorhut für die KFOR bilden. Gegenwärtig sind noch 2200 Soldaten aus NATO-Mitgliedsstaaten und anderen Ländern im Zusammenhang mit dem KFOR-Einsatz in Mazedonien stationiert.

- Mit der humanitären Hilfsmission "Allied Harbour" entsendet die NATO 1999 bis zu 7000 Soldaten nach Albanien, wohin tausende Kosovo-Albaner wegen des Kosovo-Krieges geflohen waren.

- An der Mission "Essential Harvest" (Wesentliche Ernte) zur Entwaffnung der albanischen Rebellen der selbst ernannten "Nationalen Befreiungsarmee" UCK nehmen 3500 NATO-Soldaten teil. Der Einsatz in Mazedonien ist auf 30 Tage befristet. (APA)

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