Argentinien: Behörden lassen "blonder Todesengel" Astiz frei

15. August 2001, 14:56
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Auslieferungsanträge von Italien und Frankreich abgewiesen

Buenos Aires - Die argentinischen Behörden haben den als "blonder Todesengel" bekannten ehemaligen Fregattenkapitän Alfredo Astiz freigelassen. Örtlichen Medien zufolge wurde Astiz am Dienstag aus der Haft entlassen. Buenos Aires wies damit die Auslieferungsanträge von Italien und Frankreich zurück.

"Argentinien lehnt den Auslieferungsantrag ab", sagte Außenminister Adalberto Rodriguez. Astiz könne nicht in einem Land angeklagt werden für Verbrechen, die er angeblich in einem anderen Land begangen habe. Ein argentinisches Gericht hatte Astiz nach dem Ende der Militärherrschaft (1976-1983) für schuldig befunden, Morde, Folter und Entführungen begangen zu haben. Der ehemalige Marineoffizier wurde jedoch im Zuge von 1986 und 1987 erlassenen Gesetzen amnestiert und genießt Immunität. Am 2. Juli stellte er sich wegen einer Interpol-Fahndung der argentinischen Justiz.

Ein Pariser Gericht verurteilte Astiz 1990 wegen der Ermordung von zwei französischen Nonnen in Abwesenheit zu einer lebenslangen Haftstrafe. Italien verlangte Ende Juli die Auslieferung von Astiz. Die römische Justiz ermittelt wegen des Verschwindens von drei italienischen Staatsbürgern während der argentinischen Militärdiktatur gegen den Ex-Offizier. Auch die schwedische Justiz macht Astiz für das Verschwinden von Landsleuten verantwortlich. Den Behörden zufolge verschwanden während der Diktatur in Argentinien 11.000 Menschen, Menschenrechtsgruppen sprechen dagegen von 30.000 Verschwundenen. (APA/AFP)

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