Japan: Jahrestag der Kapitulation

15. August 2001, 13:43
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Koizumi zeigt "tiefe Reue" für im Zweiten Weltkrieg verursachtes Leid - Ausschreitungen bei Gedenkfeiern

Tokio - Der japanische Regierungschef Junichiro Koizumi hat nach seinem umstrittenen Pilgergang zum Yasukuni-Schrein für Japans Kriegstote der Kapitulation seines Landes vor 56 Jahren gedacht. Bei einer offiziellen Zeremonie im Beisein des Kaiserpaares wiederholte Koizumi seine "Reue" für das von Japan im Zweiten Weltkrieg verursachte Leid. Koizumi hatte am Montag einen Sturm der Entrüstung in den Nachbarstaaten ausgelöst, weil er den Yasukuni-Schrein, wo auch hingerichtete Kriegsverbrecher geehrt werden, besucht hatte.

Japans Kriegsvergangenheit beschönigt

Er hoffe, den südkoreanischen Präsidenten Kim Dae Jung zu treffen, um über eine Verbesserung der bilateralen Beziehungen zu sprechen, sagte Koizumi. Ein Termin stehe noch nicht fest. Südkorea sowie China sind außer über Koizumis Yasukuni-Besuch auch über Tokios Weigerung empört, neue Schulbücher zu korrigieren, in denen Japans Kriegsvergangenheit beschönigt dargestellt wird. Um eine weitere Verschlechterung der Beziehungen zu vermeiden, hatte Koizumi seinen für Mittwoch geplanten Yasukuni-Besuch vorverlegt.

Währenddessen pilgerten am Mittwoch fünf weitere Minister seiner Regierung sowie eine Gruppe Parlamentarier zu dem auch innerhalb Japans umstrittenen Shinto-Heiligtum in Tokio. Am Rande kam es Medienberichten zufolge zu einem Handgemenge, als Rechte eine Gruppe von rund 200 Protestierern, darunter Südkoreaner, am Zutritt zum Gelände des Yasukuni-Schreins hinderten. Der Schrein gilt als Zentrum des japanischen Ultranationalismus sowie des Kaiserkults vor und während des Zweiten Weltkrieges.

Koizumi: Erster Reguierungschef, der "Reue" zeigt

Japan habe in dem Krieg in vielen Ländern, vor allem in Asien, "enormen Schaden und Leid" verursacht, sagte Koizumi während der Gedenkfeier für die 3,1 Millionen im Krieg gestorbenen Japaner. Als Repräsentant des japanischen Volkes drücke er "nochmals tiefe Reue" und Beileid für die Opfer aus. Koizumi ist der erste Regierungschef, der im Zusammenhang mit den Kriegsleiden Japan explizit namentlich nannte.

In mehreren asiatischen Städten gingen Demonstranten auf die Straße, um gegen die Ehrerbietungen an dem Kriegerdenkmal in Tokio zu protestieren. Der südkoreanische Präsident Kim Dae Jung machte seine Kritik so deutlich: "Wie können wir ein gutes freundschaftliches Verhältnis zu jenen pflegen, die versuchen, die Schmerzen, die sie uns zufügten, zu ignorieren und zu vergessen?" In einer Rede zum Unabhängigkeitstag forderte Kim ferner Nordkorea und die USA zu verstärkten Anstrengungen zur Wiederaufnahme des Dialogs auf. Nur so könnten die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel reduziert werden, erklärte er. Trotz der gegenwärtigen Krise soll die südkoreanische "Sonnenscheinpolitik" - Öffnung gegenüber dem Norden - nach Kims Worten fortgesetzt werden. (APA)

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