Training kann manche Operationen verhindern

15. August 2001, 10:55
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Kniegelenk wird auch durch Beugemuskeln stabilisiert

Innsbruck - Erfreuliche Aussichten bietet eine Tiroler Studie all jenen, denen eine Operation des Kniegelenks bevorsteht, denn der chirurgische Eingriff könnte teilweise durch ein Training der Oberschenkelmuskulatur verhindern werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kam eine Studie am Biomechanischen Labor der Innsbrucker Universitätsklinik für Orthopädie, teilten die Wissenschafter mit.

Entgegen der verbreiteten Meinung, dass nur die Kreuzbänder "die Bewegung im Kniegelenk absichern", habe sich herausgestellt, dass auch die Beugemuskeln diese Aufgabe übernehmen können. Durch eine gezielte Stärkung dieser Muskulatur sei es möglich, dass das Kniegelenk "stabilisiert" werde, erklärte der Biomechaniker Christian Haid, sowie der Humanbiologe und Referent für Gesundheitsfragen des Tiroler Ski Verbandes, Arnold Koller. Die Erkenntnisse aus dem Forschungsprojekt würden die Sinnhaftigkeit eines präventiven Trainings untermauern, erklärten die Wissenschafter.

Spezialtests

Auch nach Verletzungen am vorderen Kreuzband sei eine "klinisch festgestellte Instabilität kein zwingender Grund" für einen Kreuzbandersatz, betonten die Wissenschafter. Wie auch internationale Studien ergeben hätten, sollten Spezialtests vorgenommen werden, um eine "Operationsindikation richtig stellen zu können". Entscheidende Faktoren seien neben der "individuellen Kniegeometrie", das Alter, die ausgeübte Sportart und der Umstand, ob zusätzliche Verletzungen im Kniegelenk aufgetreten sind (z.B. Menisci). Mit diesen Informationen könne der Arzt die Notwendigkeit eines Kreuzband-Ersatzes entscheiden, denn durch eine Operation würden wiederum "Schäden" im Kniegelenk verursacht.

Auch nach Verletzungen des vorderen Kreuzbandes könne eine entsprechend trainierte Beugemuskulatur "in weiten Bereichen" die Funktion des Kreuzbandes übernehmen. Die Untersuchungen hätten ergeben, dass ab einem Winkel von etwa 25 Grad die Beugemuskulatur das Knie "dynamisch stabilisiert". Bei "günstiger Gelenksgeometrie" sei daher eine "Sicherung" des Kniegelenks über den gesamten Bewegungsumfang möglich.

Gezielt aufbauen

Durch das üblicherweise "einseitige" Training der Beinstreckmuskulatur werde der Beugemuskel in der Regel zu wenig beansprucht, führten Haid und Koller aus. Ein gezielter Aufbau dieser Muskeln sei jedoch für den Schutz des Kniegelenks und bei der Rehabilitation nach Knieverletzungen von "enormer" Bedeutung. Auch könne "der ein oder andere" operative Ersatz des vorderen Kreuzbandes durch präventives Training vermieden werden. Voraussetzung dafür sei die aktive Mitarbeit des Patienten im Rahmen der Rehabilitation.

Die Erkenntnisse aus dieser Studie würden bereits im Spitzensport angewandt. Die simple Möglichkeit durch Übungen der Kniebeugemuskulatur einem Kreuzbandriss vorzubeugen, sollte von jedem sportlich Aktiven genutzt werden, appellierten die Forscher. Beim Radfahren sei es beispielsweise sinnvoll das Pedal nicht nur nach unten sondern auch nach hinten zu schieben. Besonders das Flossenschwimmen stelle eine effektive Beanspruchung der Beugemuskulatur dar. (APA)

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