Deutschland: "Stiftungen sollen Probleme lösen"

14. August 2001, 20:46
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Schröder und Buzek drängen auf Kompromiss in Zwangsarbeiter- Streit

Warschau/Stettin - Der deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder und der polnische Ministerpräsident Jerzy Buzek drängen auf einen Kompromiss in der Kontroverse um die Entschädigung ehemaliger Zwangsarbeiter. "Wir sind übereingekommen, dass sich die beiden Stiftungen sofort zusammensetzen und eine Lösung finden sollen", sagte Buzek am Dienstagabend im polnischen Fernsehen. Dabei gehe es insbesondere um einen Ausgleich für die finanziellen Nachteile, die die Nazi-Opfer durch den ungünstigen Umtauschkurs erlitten hatten. Buzek hatte sich zuvor in der nordwestpolnischen Hafenstadt Stettin (Szczecin) mit dem deutschen Regierungschef getroffen.

Auch Schröder betonte, die beiden Regierungen hätten alles Menschenmögliche getan, um die ehemaligen Zwangsarbeiter im Dritten Reich zu entschädigen. Nun sei es an der Reihe der Stiftungen, die anstehenden Probleme zu lösen. Zuvor hatte Schröder bereits nach einem Treffen mit dem polnischen Staatspräsidenten Aleksander Kwasniewski an die Stiftungen appelliert, eine Einigung zu finden. Die deutsche Regierung könne in dem Streit allerdings keinen unmittelbaren Einfluss geltend machen.

Ungünstiger Wechselkurs bedeutet Verlust

Seit Wochen hält der Streit um den Umtauschkurs der Entschädigungsgelder an. Die in Warschau ansässige Stiftung "deutsch-polnische-Aussöhnung" wirft der Bundesstiftung "Frieden, Verantwortung, Zukunft" vor, der ungünstige Wechselkurs bedeute einen Verlust von 50 Millionen Zloty (13,10 Mill. Euro/180 Mill. S) für die ehemaligen Zwangsarbeiter. Im Gegensatz zu den anderen ostmitteleuropäischen Staaten wird die Entschädigung in Polen in der Landeswährung Zloty statt in Mark ausgezahlt. Als die erste Rate im Juni überwiesen wurde, war die Mark im Verhältnis zum Zloty ungewöhnlich schwach.

Nach dem Treffen mit Buzek hatte Schröder Polen eine baldige Mitgliedschaft in der EU in Aussicht gestellt. Das Land habe in den letzten Jahren dafür gewaltige Anstrengungen unternommen, sagte er. Dies sei umso bemerkenswerter, weil Polen die Voraussetzungen ohne nennenswerte Hilfe von außen geschafft habe. Das Nachbarland komme deshalb nicht als Bittsteller, sondern als selbstbewusste Nation in die EU.

Der Kanzler warb ebenso wie Buzek für eine verstärkte Kooperation in der Grenzregion. Das polnische Parlament habe dafür erst kürzlich den Weg freigemacht, sagte der Premier aus Warschau. Das Treffen fand im deutsch-polnischen Haus der Wirtschaft in Stettin statt. (APA/dpa)

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