Fall Dutroux: Kritik von Fachleuten

14. August 2001, 23:32
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"Kinder verlieren Vertrauen"

Brüssel - Fünf Jahre nach der Festnahme des Kinderschänders Marc Dutroux fürchten Fachleute negative Auswirkungen der langen Ermittlungen auf die belgische Gesellschaft. Dutroux wurde am 13. August 1995 verhaftet, ihm werden tödliche Peinigungen an vier Mädchen angelastet, zwei weitere konnten noch lebend gerettet werden.

Peter Adriaenssens, Professor für Kinderpsychiatrie, kritisierte: "Wie kann man als Kind einer Gesellschaft vertrauen, die einen Fall, der so viel Aufsehen erregt hat, nicht innerhalb von fünf Jahren abgeschlossen bekommt?" Die Gesellschaft lasse die Opfer noch immer in der Kälte stehen: "Alle Aufmerksamkeit richtet sich auf den Täter, der von den besten Anwälten umringt wird." Sexueller Missbrauch von Kindern sei nach wie vor weit verbreitet, doch die Bürger schauten weg.

Der flämische Minister Renaat Landuyt, ehemaliges Mitglied des parlamentarischen Dutroux-Untersuchungsausschusses, warnte ebenfalls vor zu langem Warten auf einen Prozess: "Wenn die Menschen nicht glauben, dass die Justiz in kurzer Zeit Konflikte lösen kann, unterminiert das die Demokratie." (dpa, DER STANDARD Print-Ausgabe 14/15.August 2001)

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