Frauen- und Geschlechterforschung im universitären Strukturwandel

27. August 2001, 18:23
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Lehrangebot droht eine weitere Marginalisierung

An Österreichs Universitäten geht's rund. Studiengebühren sind im Anmarsch. Neue Studienpläne werden erstellt. Bildungsministerin Elisabeth Gehrer hat dieser Tage dem Ministerrat einen Bericht zur Universitätenreform vorgelegt. In diesen Strukturwandel hinein scheinen sich Frauen- und Geschlechterforschung sowie universitäre Frauenförderung zu implementieren und institutionalisieren. An zahlreichen österreichischen Universitäten wurden Projektzentren und Koordinationsstellen eingerichtet bzw. haben sich etabliert.

Dennoch droht dem im internationalen Vergleich beachtlichen und breit gefächerten Angebot von Lehrstunden im Bereich der feministischen Forschung / Frauen- und Genderforschung eine weitere Marginalisierung. Denn oft sind diese Lehrveranstaltungen über Sonderkontingente finanziert. Trotz des hohen Engagements zahlreicher Frauen (und auch einiger Männer) ist die Verankerung von Frauen- und Geschlechterforschung in den neu entstehenden Studienplänen nicht einfach.

Rückblick

Dabei zeigt gerade ein historischer Rückblick die Wichtigkeit der Verankerung an den Universitäten: Die Frauenforschung war im Zuge der feministischen Diskurse der neuen Frauenbewegung seit den 60er Jahren als Kritik am bestehenden wissenschaftlichen System entstanden. Gefordert wurde eine breitere und auch andere Sichtweise der wissenschaftlichen Inhalte.

Thematisiert wurden insbesondere die historischen und gesellschaftlichen Ursachen der Ungleichheit der Geschlechter. Ziel der bewusst parteilichen Forschung war die Aufhebung dieser Ungleichheit und die Veränderung weiblicher Lebenszusammenhänge. Mittlerweile wird die Frauenforschung vor allem in vielen geisteswissenschaftlichen Disziplinen betrieben. Sie hat sich vielfach zu einer hochdifferenzierten Geschlechterforschung entwickelt und viele Disziplinen grundlegend erneuert.

Universität Wien

Die Universität Wien hat sich in einem Satzungsbeschluss 1999 zur verstärkten Verankerung von Frauen- und Geschlechterforschung in der Lehre verpflichtet. Studienpläne, die diese nicht beinhalten, können nicht genehmigt werden. Derzeit trifft die massive Einschränkung externer Lehraufträge insbesondere die Frauen- und Geschlechterforschung, da diese zu einem erheblichen Teil von extern Lehrenden abgedeckt wird.

Zur Implementierung von Gender-Studies an der Universität Wien wurden vier freie MitarbeiterInnen gesucht (Ende der Bewerbungenfrist war 25. August). Neben einer Bestandsaufnahme (Was wird angeboten? Aus welchen Studienrichtungen? Wie ist die internationale Situation? etc.) wird der Bedarf ermittelt. Kann eine eigene Studienrichtung Gender-Studies eine Option sein? Was spricht für die interdisziplinäre und interfakultäre Verankerung? Angedacht wird auch eine europaweite Implementierung und Vernetzung, zu der die Universität Wien einen Teil beitragen könnte. Spannend wird sein, welche Modelle für diese Universität vorgeschlagen werden, denn es gibt kaum eine Universität mit einer derart komplexen Struktur und breitgefächerten Fakultäten.

Daniela Yeoh

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