Forderungen der Feuerwehren

14. August 2001, 15:57
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"Erste Löschhilfe" für alle Führerscheinwerber

Wien - Jahrelang hat man die Brandverhüter und -bekämpfer unbeachtet gegen die (Tunnel)Wand reden lassen. Endlich werde den Experten Gehör geschenkt, hieß es am Dienstag in einer Aussendung des österreichischen Bundesfeuerwehrverbandes.

Vielschichtiges Konzept

Dazu Präsident Manfred Seidl: "Eine Debatte über Tunnelsicherheit darf sich nicht auf punktuelle technische oder organisatorische Verbesserungen beschränken. Will man Österreichs Tunnels wirklich sicher machen, ist ein umfassendes, vielschichtiges Konzept erforderlich."

Forschungsprojekt

Zur Tunnelbrandbekämpfung fehle eine wissenschaftliche fundierte Aufbereitung, hieß es. Es bedürfe geeigneter Versuchsstellungen, um von der Industrie angebotene Systeme auf ihre Wirksamkeit untersuchen zu können. Dieses notwendige Forschungsprojekt der österreichischen Feuerwehren müsse finanziert und umgesetzt werden.

Richtlinie für Brandschutzeinrichtungen bei Straßen

In der derzeitigen Projektierungsrichtlinie des Bundes für Straßentunnels seien Forderungen der Feuerwehren unberücksichtigt geblieben, wurde kritisiert. Im Österreichischen Bundesfeuerwehrverband werde daher derzeit eine eigene Richtlinie für Brandschutzeinrichtungen bei Straßen - und Eisenbahntunnels erstellt.

Die Anforderungen der Feuerwehren

  • Gesicherte Fluchtwege für Tunnelinsassen und "Angriffswege" für die Feuerwehr
  • Maximal 250 m Abstand der Flucht- und Angriffswege
  • Befahrbarer Begleitstollen oder eine zweite Röhre mit Querschlägen
  • Ausstattung mit geeigneten Anlagen zur Brandfrüherkennung
  • Anlagen zur automatischen Unterdrückung von Rauch- und Brandausbreitung
  • Löschnischen mit Hydranten, Schläuchen und Strahlrohren zur im Maximalabstand von 50 bis 60 Metern
  • Löschwasserversorgung im gesamten Tunnel
  • Bei langen Tunnels Installierung einer eigenen Betriebsfeuerwehr

Die für Einsätze vorgesehenen Portalfeuerwehren seien vom Tunnelbetreiber mit modernem technischen Gerät und Fahrzeugen auszustatten, wurde verlangt.

Rettungskette

Wichtig sei auch das Funktionieren der Rettungskette, so die Brandbekämpfer. Was im Sanitätsbereich die Erste Hilfe ist, sei im Brandschutz die "Erste Löschhilfe". Durch diese Sofortmaßnahme könnten die Auswirkungen eines Brandes gemindert werden. Die von der Filmindustrie geschürte und großteils unbegründete Angst vor dem Explodieren brennender Fahrzeuge sowie die Unkenntnis im Umgang mit Löschgeräten führe jedoch dazu, dass aussichtsreiche Löschmaßnahmen durch Unfallzeugen oftmals unterbleiben, hieß es in der Aussendung.

Grundschulung

Manfred Seidl forderte die verpflichtende Einführung einer Grundschulung "Verhalten in Gefahrensituationen und Erste Löschhilfe" für alle Führerscheinwerber. Seidl: "Die österreichischen Feuerwehren und deren Landesfeuerwehrschulen bieten dabei ihre Unterstützung und Kompetenz an."

An den Gesetzgeber richteten die Feuerwehren die Forderung der verpflichtenden Ausstattung aller mehrspurigen Kraftfahrzeuge mit tragbaren Feuerlöschern. Dadurch könnten viele Fahrzeugbrände - auch außerhalb von Tunnelanlagen - gelöscht bzw. eingedämmt und eventuell im Unfallfahrzeug eingeklemmte Insassen vor dem Verbrennungstod gerettet werden. (APA)

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