Geburtshaus Nussdorf droht das Aus

14. August 2001, 16:09
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FP kündigt parteiübergreifende Initiative zur Rettung an - Hauptverband weist auf gesetzliche Hürde hin

Wien - Das in Wien-Döbling gelegene Geburtshaus Nussdorf, in dem seit 1986 die "sanfte Geburt" propagiert und durchgeführt wird, droht sanft zu entschlafen. Davor warnt zumindest der Mitbegründer und ärztliche Leiter des Hauses, Michael Adam. Bei einer Pressekonferenz am Dienstag berichtete er von den vergeblichen Bemühungen, einen Vertrag mit dem Hauptverband der Sozialversicherungsträger bzw. mit den Krankenkassen abzuschließen. Gelinge dies nicht, könnte schon im kommenden Jahr das Aus drohen.

"Wir möchten aber nicht verschwinden"

"Wir möchten aber nicht verschwinden", betonte Adam, der seine Einrichtung als Haus präsentierte, in dem "die Frau im Mittelpunkt steht und wir ein Nest um sie bauen". Nussdorf sei das erste Geburtshaus dieser Art in Europa gewesen und habe als Vorbild für viele später gegründeten Häuser gedient. Bisher habe das aber nicht genügt, um von den heimischen Kassen als Vertragspartner anerkannt zu werden. Ergebnis: Die Frauen müssen sich den 36.000 S (2.616 Euro) teuren Aufenthalt, der eine Nachbetreuung zu Hause inkludiert, selber bezahlen.

In den vergangenen 15 Jahren haben in Nussdorf fast 4.000 Babys das Licht der Welt erblickt. Pro Jahr gab es laut Adam bisher meist 300 Geburten in dem idyllische kleine Biedermeierhof an der Heiligenstädter Straße. Doch die Tendenz sinkt. Derzeit seien es nur mehr rund 200. Michael Adam macht dafür vor allem zwei Gründe verantwortlich: "Es gibt immer weniger Geburten insgesamt und der Unterschied zu den Krankenhäusern ist kleiner geworden."

Erfolg gefährdet das Projekt

Somit hat quasi der Erfolg das Projekt gefährdet. Denn auch viele öffentliche Spitäler bieten inzwischen ein - von der Kasse bezahltes - Angebot, das dem von Nussdorf ähnlich ist. Das Geburtshaus selbst gilt hingegen rein rechtlich als "nicht bettenführendes Ambulatorium". Laut Adam sind die Verhandlungen um einen Vertrag bisher etwa daran gescheitert, weil die Krankenkasse den Aufenthalt in Nussdorf als "Luxus" eingestuft habe.

Die Basisleistungen, so habe es geheißen, werden in den Krankenhäusern angeboten. Adam kritisierte, dass die so genannten Basisleistung in Nussdorf aber auch nicht bezahlt werden. Er hat laut eigenen Angaben den Kassen inzwischen sogar den Vorschlag unterbreitet, dass diese die durchschnittlichen Kosten einer Geburt mit einem Abschlag von zehn oder sogar zwanzig Prozent übernehmen sollen. Offenbar vergeblich, wie Adam berichtete: "Ich wollte eine Diskussion, aber es gab keine Diskussion."

FP-Landauer fordert Rettung durch Vertrag

Die Gesundheitssprecherin der Wiener Freiheitlichen, Stadträtin Karin Landauer, hat sich am Dienstag der Forderung angeschlossen, das Geburtshaus Nussdorf in Wien-Döbling durch einen Kassenvertrag zu retten. "Das Geburtshaus darf nicht sterben. Es war und ist ein Vorreiter und Wegbereiter für eine natürliche Geburt, welches von vielen Wiener Krankenanstalten kopiert, aber nie erreicht wurde", betonte die FP-Politikerin.

Nun versuche offenbar der Hauptverband und sein Präsident Hans Sallmutter diese wertvolle Einrichtung "finanziell aushungern" zu lassen, mutmaßte Landauer. Sie kündigte eine "parteiübergreifende Initiative", falls die Krankenkasse weiterhin "stur" bleiben sollte. Landauer: " Sallmutter ist jedenfalls aufgefordert, im Sinne der werdenden Mütter in dieser Stadt das Geburtshaus vor dem finanziellen Ruin zu bewahren und damit diese wertvolle Einrichtung zu erhalten."

Nussdorf könne als Ambulatorium sehr wohl Krankenanstaltenstatus haben, betonte Landauer. Das Argument, wonach es bereits ein Überangebot an Geburtshilfebetten gebe, ließ sie nicht gelten, da das Haus in Nussdorf nicht bettenführend ist.

Hauptverband: Rechtliche Hürden verhindern Vertrag

Der Hauptverband der Sozialversicherungsträger hat am Dienstag die von der Wiener FPÖ geäußerte Vermutung, wonach das Geburtshaus Nussdorf "finanziell ausgehungert" werden solle, zurückgewiesen. Dass der Einrichtung in Wien-Döbling kein Kassenvertrag gewährt wird, habe damit nichts zu tun. Es gehe vielmehr darum, dass dem Geburtshaus als Krankenanstalt in der Betriebsform eines selbständigen, aber nicht bettenführenden Ambulatoriums rechtlich kein Vertrag zusteht.

Und zwar eben deswegen, weil dort keine Betten für den stationären Aufenthalt vorhanden sind, hieß es in einer Aussendung des Hauptverbandes. Die Forderung der Wiener FP-Stadträtin Karin Landauer, dem Geburtshaus Krankenanstaltenstatus zu verleihen, sei längst erfüllt - was laut Hauptverband aber an der rechtlichen Situation nichts ändere.

Einem Kassenvertrag mit Nussdorf stehe also nicht die "sture Haltung" des Hauptverbandes im Weg, sondern eine gesetzliche Hürde. Die von der FPÖ angekündigte "parteiübergreifende Initiative" zur Rettung des Hauses müsste dieses Hindernis zunächst überwinden. (APA)

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