Bausektor sieht mageren Zeiten entgegen

14. August 2001, 13:24
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Bank Austria Studie errechnet Stagnation im Wohnbau-Sektor

Wien - Österreichs Baukonjunktur bröckelt. Stieg die Bauproduktion im Jahr 2000 noch um 3 Prozent auf 248 Mrd. S (18 Mrd. Euro), dürften die Umsätze der Baubranche heuer wegen des rückläufigen Wohnbaus und schwächerer Zuwächse im Wirtschaftsbau insgesamt lediglich um 1 bis 2 Prozent höher liegen, prognostizieren die Ökonomen der Bank Austria. Hand in Hand gehe die schwache Baunachfrage auch mit einer steigenden Arbeitslosigkeit, die sich in den vergangenen Monaten auf mehr als 5 Prozent erhöht habe.

Wie die Volkswirte der Bank Austria in einem aktuellen Bericht zur Baubranche festhalten, hätten geburtenstarke Jahrgänge und der Trend zum Single-Haushalt nach 1990 einen erheblichen Nachfrageüberhang am österreichischen Wohnungsmarkt geschaffen. Es brauchte mehrere Jahre mit Wohnbaurekorden und massiven Förderungen, um den Markt wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

55.400 Wohnungen erstellt

Während noch im vergangenen Jahr 55.400 Wohnungen fertiggestellt worden waren (um fast 20.000 mehr als 1990 bzw. um 6.000 mehr als in den 70er Jahren, dem vorletzten Wohnbauboom), dürfte in den nächsten Jahren die Zahl der fertiggestellten Wohnungen nach Einschätzung der Bank Austria-Ökonomen auf jährlich rund 45.000 Einheiten sinken. Der Neubauumsatz des Bauhauptgewerbes werde sich gleichzeitig bis 2003 um insgesamt 5 bis 10 Prozent auf rund 30 Mrd. S verringern.

Mehrgeschossiger Wohnbau überwiegt

Im Vergleich zum mehrgeschossigen Wohnbau falle der Rückgang im Ein- und Zweifamilien-Hausbau geringer aus. Langfristig würden rund 18.000 Einfamilienhäuser im Jahr errichtet, ein Viertel davon seien Fertighäuser. Die Zeiten zweistelliger Wachstumsraten seien auch in diesem Segment nun vorbei, meinen die Experten. Im Vorjahr sank die Zahl der verkauften Fertighäuser um knapp 2 Prozent auf rund 4.600, weitere 1.000 Häuser wurden exportiert. Ebenfalls deutlich schwächer sei inzwischen auch die Nachfrage nach Sanierungsarbeiten, wie die Auftragseingänge der Bauneben- und Bauhilfsgewerbebranchen zeigten.

Drei Prozent Wachstum erwartet

Für den Tiefbau rechnen die Volkswirte der Bank Austria in den Jahren 2001/2002 mit einem nominellen Wachstum von 2 bis 3 Prozent. Nach wie vor leide diese Sparte, deren Bauproduktion von insgesamt 49 Mrd. S zu fast zwei Drittel (30 Mrd. S) auf Aufträge der öffentlichen Hand entfalle, unter Budgeteinsparungen. Auf Grund des rückläufigen Straßenbaus stieg der Tiefbau-Umsatz im Vorjahr nur um 1,3 Prozent.

Überdurchschnittlich kräftig blieben demgegenüber die Zuwächse im Büro- und Wirtschaftsbau, das Tempo werde 2001 jedoch schwächer. Die Bautätigkeit in diesem Segment sei besonders in Wien sehr hoch. Erst ab 2003 müsse hier mit einem spürbaren Rückgang gerechnet werden. (APA)

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    Der Wohnbau-Sektor kämpft mit sinkenden Wachstumsraten

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