Umfrage: Zwei Drittel der ÖsterreicherInnen nicht informiert

14. August 2001, 13:32
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74 Prozent holen sich das Wissen aus dem Fernsehen

Wien - Zwei Drittel der Österreicher fühlen sich beim Thema Gentechnik und Biotechnik nicht ausreichend informiert. Das ergab eine Umfrage, die vom Institut für Energiepolitik und Umweltverbesserung (ieu) in Auftrag gegeben und von der Sozialwissenschaftlichen Studiengesellschaft (SWS) durchgeführt wurde. Dabei sind rund 3.100 Österreicher im Zeitraum von Mai bis Juni über diese Themen befragt worden. Die Ergebnisse wurden am Dienstag im Rahmen einer Pressekonferenz in Wien präsentiert.

"In besonders hohem Maß klagen Facharbeiter und Hausfrauen (je 74 Prozent) über diese Uninformiertheit", erklärte Studienleiter Heinz Zeilhofer. Selbstständige hingegen glauben zu 56 Prozent über das Thema ausreichend Bescheid zu wissen. "Mit steigender Schulbildung steigt auch die Meinung, darüber informiert zu sein", so der Experte. 74 Prozent holen sich das Wissen über das Thema aus dem Fernsehen, 46 Prozent aus dem Radio und rund 80 Prozent aus den österreichischen Zeitungen.

Skepsis bei den Befragten

"Wenn man etwas nicht kennt, ist man vorsichtig und lehnt es eher ab", sagte Zeilhofer. Deswegen herrschte bei dem Thema unter den Befragten überwiegend Skepsis: 48 Prozent glaubten, dass Biotechnik schaden würde, hingegen sahen 40 Prozent einen Nutzen darin. "Stark ausgeprägt war diese Meinung im Arbeitermilieu, bei Angestellten und Hausfrauen", erläuterte der Studienleiter. Auch hatten 46 Prozent der Befragten ein "widersprüchliches Gefühl" beim Wort Bio- oder Gentechnik, ein Drittel äußerte sogar "negative Gefühle" gegenüber diesen Wörtern.

Deswegen sei, so Zeilhofer, der Widerstand gegen den Konsum biotechnisch veränderter Lebensmittel sehr groß: "Zwei Drittel der Befragten haben Bedenken beim Verbrauch diese Nahrung. Und diese ablehnende Haltung geht durch alle Bevölkerungsschichten in etwa gleich bleibendem Ausmaß", so der Studienleiter.

Kontrollierte Anwendung

Laut der Studie nehmen die Österreicher aber keine "fundamentalistische Ablehnungshaltung" gegen Bio- und Gentechnik ein: 56 Prozent der Befragte sagten, dass die so genannte kontrollierte Anwendung dieser Techniken erlaubt werden sollte. Für ein generelles Verbot sind 29 Prozent.

"Trotz des positiven Trends in der Bio- und Gentechnik herrscht immer noch große Skepsis und Uninformiertheit unter der Bevölkerung", sagte der Wiener Biochemiker und frühere Wissenschaftsminister Hans Tuppy. Den Wissenschaftern gelinge es nicht, die Informationen verständlich, knapp und aufmerksamkeitserregend zu vermitteln, so Tuppy. (APA)

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