ProSiebenSat.1 Media verordnet sich strikten Sparkurs

14. August 2001, 12:26
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Einbußen aufgrund der Werbeflaute

Deutschlands größter Fernseh-Konzern ProSiebenSat.1 Media rechnet wegen der Flaute auf dem deutschen Fernseh-Werbemarkt in diesem Jahr nur noch mit einem stagnierenden Ergebnis. Das Konzern-Ergebnis vor Steuern werde voraussichtlich nur das Niveau des Vorjahres erreichen und nicht wie geplant um einen zweistelligen Prozentsatz steigen, teilte die Mediengruppe am Dienstag in München mit. Dazu solle ein strikter Sparkurs beitragen.

"Besser als die Konkurrenz

Ein höherer Gewinn sei nur möglich, wenn der Markt für Werbung im Fernsehen nicht wie erwartet um zwei bis drei Prozent schrumpfe. Der Konzern werde aber auf jeden Fall besser abschneiden als die Konkurrenz, hieß es. Im ersten Halbjahr schrumpfte der Gewinn vor Steuern um 20 Prozent auf 89 Mill. Euro (1,225 Mrd. S), Sat.1 blieb in der Verlustzone.

Die Aktien der ProSieben gaben am Dienstag im frühen Handel in einem freundlichen Börsenumfeld um 3,6 Prozent auf ein Jahrestief von 13,50 Euro nach.

Schwieriges Marktumfeld

Die Senderkette aus ProSieben, Sat.1, Kabel 1 und N24 habe sich im ersten Halbjahr trotz des schwierigen Marktumfelds gut behauptet, wertete der Medienkonzern die Ergebnisse. Der Umsatz sank den Angaben zufolge wegen der geringeren Werbeeinnahmen um drei Prozent auf 1,028 Mrd. Euro. Die Sender finanzieren sich zu über 97 Prozent aus Werbung. Im Mai hatte Vorstandschef Urs Rohner noch mit einem Werbemarkt-Wachstum von vier Prozent gerechnet. Damals hatte er erklärt, ProSiebenSat.1 könne den für 2001 angepeilten zweistelligen Gewinnzuwachs auch bei einem stagnierenden TV-Werbemarkt erreichen.

Der Konzernüberschuss stieg im ersten Halbjahr nur wegen einer niedrigeren Steuerquote um elf Prozent auf 52 Mill. Euro. Damit habe sich die Umsatzrendite nach Steuern auf fünf von vier Prozent verbessert, hieß es. "Ein Beleg dafür, dass unsere Senderfamilie die Kosten im Griff hat", sagte Rohner. In die Zahlen für das vergangene Jahr ist der vor knapp einem Jahr mit ProSieben fusionierte Sender Sat.1 eingerechnet.

Sat.1 mit stärkste Einbruch

Den stärksten Einbruch erlitt im ersten Halbjahr der Sender Sat.1, dessen Umsatz um zehn Prozent zurückging und der mit 18 Mill. Euro Verlust vor Steuern in die roten Zahlen rutschte. Ein Jahr zuvor hatte Sat.1 noch sechs Millionen Euro Gewinn vor Steuern erwirtschaftet. Wegen der umstrittenen Verschiebung der Fußball-Show "ran" drohen Sat.1 im zweiten Halbjahr weitere Einbußen aus Werbe- und Sponsorenverträgen. Dagegen legte ProSieben beim Umsatz um fünf Prozent, beim Gewinn vor Steuern um zehn Prozent zu. Die Einführung von neuen Sende-Formaten in der Hauptsendezeit habe das Geschäft beflügelt.

Ausgliederung

Grundsätzlich habe sich das Fernseh-Geschäft im Konzern im zweiten Quartal etwas besser entwickelt, hieß es. Aber auch das Ergebnis der Monate April bis Juni fiel mit 60,4 Mill. Euro im Vergleich zum Vorjahr um acht Prozent niedriger aus.

Die zuletzt Verlust bringenden Multimedia-Aktivitäten mit der Nachrichtenagentur ddp sind in den Halbjahreszahlen nicht mehr berücksichtigt, nachdem die ProSieben Digital Media zu Jahresbeginn mit der Multimedia-Tochter der Muttergesellschaft Kirch-Gruppe fusioniert worden war und ProSiebenSat.1 daran nur noch 49,9 Prozent hält. Im ersten Halbjahr 2000 hatte der Bereich noch fünf Millionen Euro Verlust beigetragen. Die Kirch Media KGaA ist an ProSieben mit über 50 Prozent beteiligt.

Vor allem wegen der Ausgliederung sei die Mitarbeiterzahl in Konzern um sieben Prozent auf knapp 3.000 gesunken. Allein bei Sat.1 seien Ende Juni wegen interner Umstrukturierungen und der Schließung der Studios in Mainz 300 Menschen weniger beschäftigt gewesen als noch vor einem Jahr. (APA/Reuters)

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