Nacktheit und sexuelle Obsession

14. August 2001, 13:31
posten

"Meine Heldin": Cedric Kahn verfilmte Alberto Moravias Roman "Die Nackte"

Wien - Cedric Kahn (32) gilt als einer der Hauptvertreter der neuen Nouvelle Vague im französischen Kino. Der junge Regisseur verfilmte mit "Meine Heldin" einen Roman ("La Noia") des italienischen Schriftstellers Alberto Moravia. Der 1990 gestorbene Literat beschäftigte sich hauptsächlich mit den Themen Beziehung, Familie und Sexualität. So erzählt "Meine Heldin" die Geschichte einer amour fou, die den Irrsinn einer Leidenschaft durchleuchtet.

Sexuelle Obsession

"Meine Heldin" handelt vom Philosophen Martin(Charles Berling), der von seiner Frau (Arielle Dombasle) getrennt eine Affäre mit der 17-jährigen Cecilia (Sophie Guillemin)beginnt. Das Abenteuer entwickelt sich zur sexuellen Obsession. Martins Leben gerät zunehmend außer Kontrolle.

Über die vielen "nackten" Szenen sagt der Regisseur: "Wäre das ein Problem gewesen, hätten wir den Film gar nicht anfangen dürfen. Wenn es ein Problem gab, so lag das eher im Vorfeld. Denn genau genommen sind ja die vielen Bettszenen nicht auf erotischen Mehrwert aus, sondern werden fast kalt, gewissermaßen unbeteiligt gezeigt." Dennoch bedient "Meine Heldin" den männlichen Blick - die "Schau-Lust". Auch wird absehbar: Das Thema Nacktheit und Sexualität ist im französchischen Kino bereits überstrapaziert.

Männergeschichte in eine Frauengeschichte

"Ich sehe den Film als eine mehrfache Übersetzung von der italienischen in die französische Sprache, vom Italien der frühen sechziger Jahre ins gegenwärtige Paris, und von einer Männergeschichte in eine Frauengeschichte", analysiert Kahn, der 1991 mit seinem ersten abendfüllenden Spielfilm "Bar des rails" beim Festival in Venedig für Furore sorgte. "Das brachte auch mit sich, dass ich die Charakterisierung einzelner Personen geändert habe (...). Wir haben uns tatsächlich einige Freiheiten herausgenommen."

(APA/pd)

Share if you care.