Hamburg: "Hells Angels"-Prozess zum Auftakt gleich vertagt

14. August 2001, 18:02
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Anklagepunkte:Menschen- handel, Zuhälterei, Förderung der Prostitution, Erpressung, Körperverletzung - 469 Zeugen benannt

Hamburg (APA/Reuters) - Der Mammut-Prozess gegen sieben mutmaßliche Mitglieder der Rocker-Gruppe "Hells Angels" vor dem Landgericht Hamburg ist am Dienstag nur wenige Minuten nach dem Beginn vertagt worden. Verteidiger und Staatsanwältin sollten Gelegenheit bekommen, sich weiter in das umfangreiche Verfahren einzuarbeiten, begründete die Große Strafkammer ihre Entscheidung. Zum Prozessauftakt waren strenge Sicherheitsvorkehrungen getroffen worden.

Die Staatsanwaltschaft wirft den Angeklagten unter anderem schweren Menschenhandel, Zuhälterei, räuberische Erpressung und Körperverletzung vor. Die Verbrechen sollen von 1999 bis Ende 2000 in Norddeutschland begangen worden sein. Im Laufe des Prozesses sollen 469 Zeugen vernommen werden.

Fünf Verdächtige befinden sich seit ihrer Festnahme vor mehr als sechs Monaten in Untersuchungshaft. Der 36 Jahre alte Hauptangeklagte soll "Präsident" des Motorradclubs "Hells Angels" in Hannover sein und gemeinsam mit den anderen Angeklagten versucht haben, gewaltsam die Kontrolle über das Hamburger Rotlichtmilieu zu erlangen.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft haben die Angeklagten mehr als 100 zum Teil ausländische Frauen unter anderem in Hamburg und Hannover zur Prostitution gezwungen und dadurch mehr als 37 Millionen Mark (41,2 Mill. Euro/566 Mill. S) Jahresumsatz erzielt. Die Anklageschrift in dem Großverfahren umfasst nach Angaben des Hamburger Landgerichts 529 Seiten.

Das Verfahren wird nach Angaben des Gerichts voraussichtlich länger als zwei Jahre dauern. Im Falle einer Verurteilung erwartet die sieben Männer im Alter von 26 bis 55 Jahren eine Höchststrafe von zehn Jahren Gefängnis.

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