Israelische Panzer erstmals in autonomer Palästinenserstadt

14. August 2001, 20:14
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Jenin soll Heimat mehrerer Attentäter sein - Rückzug nach Zerstörung eines Polizeipostens - Washington spricht von "Provokation"

Jenin - Zum ersten Mal seit Beginn der Al-Aksa-Intifada im vergangenen September ist die israelische Armee mit Panzern und Planierraupen in eine autonome Palästinenserstadt eingerückt. Nach Angaben palästinensischer Sicherheitskräfte wurde die Aktion durch Kampfhubschrauber unterstützt. Nach der Zerstörung eines Polizeipostens zog sich die Armee wieder aus dem Stadtgebiet zurück, hieß es.

Unmittelbar vor dem Vorstoß hatte das israelische Fernsehen von Truppenkonzentrationen vor Jenin berichtet. Alle Eingänge der Stadt wurden demnach von der Armee blockiert. Der Sender wertete den Aufmarsch als Reaktion auf die palästinensischen Anschläge der vergangenen Wochen. Mehrere Attentate seien von Einwohnern aus Jenin begangen worden. Auch der Selbstmordattentäter, der sich am Sonntag in Haifa in die Luft sprengte, kam aus Jenin. Bei dem Anschlag wurden 15 Menschen verletzt.

Widersprüchliche Angaben zu Zahl der Opfer

In Ramallah griffen unterdessen israelische Sicherheitskräfte ein Mitglied von Palästinenserpräsident Yasser Arafats Leibgarde Force 17 an. Wie Augenzeugen berichteten, wurde der Mann schwer verletzt, als sein Wagen von einer Panzergranate getroffen wurde. Während die israelische Armee sich nach eigenen Angaben aus Rücksicht auf die Zivilbevölkerung mit dem Schusswaffeneinsatz zurückhielt, berichteten Augenzeugen von heftigen Gefechten in Jenin. Palästinensische Polizisten und bewaffnete Zivilisten hätten sich in den Straßen Schusswechsel mit israelischen Soldaten geliefert. Dabei seien mindestens zwei Palästinenser getötet und Dutzende weitere verletzt worden gaben die Palästinenser an. Israelische Einheiten sprachen von mehreren Verletzen.

Die Palästinenser forderten eine sofortige Sitzung des Welt-Sicherheitsrates und internationalen Schutz für ihre Gebiete. Die israelische Armee teilte mit, sie werde auch künftig die erforderlichen Maßnahmen ergreifen, um Terroranschläge zu verhindern und das Leben israelischer Zivilisten und Soldaten zu schützen. Der Vorstoß war der tiefste in das von Palästinensern verwaltete Gebiet seit Beginn des Palästinenser-Aufstands Ende September vergangenen Jahres. In den Unruhen sind mindestens 678 Menschen getötet worden. Die meisten Opfer sind Palästinenser. Israel hatte nach einem Zwischenabkommen 1995 den Palästinensern Jenin zur Selbstverwaltung überlassen.

USA verurteilen Vordringen

Die USA haben das israelische Vordringen in die autonome Palästinenserstadt Jenin im Westjordanland verurteilt. Das Einrücken in palästinensisches Autonomiegebiet sei eine Provokation und sabotiere die Bemühungen um eine Beruhigung der Lage, sagte ein Sprecher des Weißen Hauses in Washington am Dienstag.

Er appellierte an beide Seiten, unverzüglich für Mäßigung und Ruhe zu sorgen. Zugleich verurteilte er erneut palästinensische Selbstmordanschläge als "abscheulichen Akt", bei dem unschuldige Zivilisten ermordet würden. (APA/Reuters/dpa)

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