Steuerliche Waldesruh - Von Helmut Spudich

13. August 2001, 19:56
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Der Wald ist der Stoff, aus dem die Heimat ihre Mythen schmiedet. Wer mag schon an schnöden Mammon denken, wenn es um grüne Herzen und Lungen geht, als die heimische Wälder gerne verklärt werden. Aber Wald ist eben auch Geschäft, und sein Besitz - vor allem in größeren Maßen - beruhigt so ungemein wie seine Stille auf Spaziergängen.

Zu den beruhigenden Eigenschaften, die größerer Waldbesitz für seine Eigentümer hat, trägt der Staat durch steuerliche Privilegien für Forstbetriebe sehr nachhaltig bei. So ist der Verkauf von Liegenschaften für sie steuerfrei, während andere Unternehmen dafür besteuert werden. Hat zuvor noch die Gunst einer Flächenwidmung dafür gesorgt, dass aus einem billigen Fleckerl Wald ein gewinnbringendes Stück Bauland wurde, dann ist der Gewinn astronomisch und dennoch steuerfrei.

Außerordentliche Waldnutzung spart Steuern

Überaus steuerschonend ist auch die "außerordentliche Waldnutzung": Fährt der böse Wind durch den Wald (was keinen Waldbesitzer überrascht) und zwingt zu Abholzungen über das geplante Maß hinaus, dann hat der Fiskus ein Einsehen und gibt sich mit der halben Einkommenssteuer zufrieden, selbst wenn es staatliche Entschädigungszahlungen gibt. Auch wenn der Forstbetrieb investieren will - etwa in ein neues Sägewerk - und zur Geldbeschaffung seinen Wald "außerordentlich" nutzt, sind diese Verkäufe steuerbegünstigt - ein Privileg, von dem andere Betriebe nicht einmal träumen dürfen.

Protierend tun die Großen

Dabei sind es nicht die zahlreichen kleinen Forstwirte und Bauern, die davon profitieren: Ihre Betriebe sind meist steuerlich pauschaliert. Außerordentliche Nutznießer dieser außerordentlichen Privilegien sind nur die wenigen großen Waldbesitzer. Aber vor lauter Bäumen ist eben leicht der Wald zu übersehen - im Steuerdschungel ist das nicht anders. (Helmut Spudich, Der Standard, Printausgabe, 14.8.2001)

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