Von Mussolini gestohlener Obelisk bleibt in Rom

14. August 2001, 12:36
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Äthiopien will Erfüllung des Friedensvertrags

Rom - Viale Africa nannte Benito Mussolini die Allee, die vom Circus Maximus zu den Caracalla-Thermen führt. Dort ließ er in Erwartung neuer Eroberungen das "Ministerium für überseeische Gebiete" errichten, der Obelisk, den der Duce vor dem Neubau aufstellen ließ, fiel bei der Eroberung Abessiniens im Tempelbezirk von Axum an: 200 Tonnen schwer, 25 Meter hoch, 3. Jhdt. n. Chr.

1947 verpflichtete sich Italien im Friedensvertrag zur Rückgabe der aus Äthiopien verschleppten Kunstschätze, doch erst die Regierung Prodi nahm die Rückführung des Obelisken in Angriff. Der äthiopisch-eriträische Krieg verzögerte das Vorhaben.

Die Regierung Berlusconi vollzog nun eine Kehrtwendung. Der Staatssekretär im Kulturministerium, Vittorio Sgarbi, widersetzt sich der Rückgabe - zur Freude der Alleanza Nazionale, die immer dagegen war. Sgarbi machte als Grund "das hohe Transportrisiko" geltend. Doch der für die Überführung des Obelisken zuständige Experte Giorgio Croci dementierte umgehend. In Karbonfasern und gefederten Stahlkäfigen könne der zerlegte Obelisk unbeschadet verschifft werden. Sgarbi will davon nichts wissen und schlägt jetzt eine "virtuelle Rückgabe" mit Zugabe - eine "extraterritoriale Fläche von 100 Quadratmetern rund um den Obelisken" - an Äthiopien vor, das jedoch dankend ablehnt. (mum)
(DER STANDARD; Printausgabe; 14.8.2001)

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