Signal zu Jerusalem

13. August 2001, 19:54
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Die international heftig kritisierte israelische Besetzung des Orienthauses im arabischen Ostjerusalem stößt in Israel auf große Zustimmung, es ist ein klares politisches Signal, was die Zukunft der Stadt betrifft. In Israel besteht beinahe über alle Lager hinweg Konsens, dass auch der 1967 eroberte Ostteil der Stadt souveränes israelisches Territorium ist: 1980 wurde die De-facto-Annexion von 1967 bekräftigt und Groß-Jerusalem von der Knesset als "alleinige und ewige" Hauptstadt Israels bestätigt - die Verurteilung der UNO und die völkerrechtliche Nichtanerkennung blieben ohne Wirkung, wie es auch die jetzigen Proteste von Generalsekretär Kofi Annan bleiben werden. Am Sonntag war in einer israelischen Erklärung von dem Verbot der politischen Betätigung "fremder Elemente" auf israelischem Territorium die Rede. Kritiker werfen der Regierung Sharon vor, nun selbst die Intifada nach Jerusalem getragen zu haben. Bis auf den Tempelberg war es bisher ruhig geblieben.

Jerusalem, hebräisch Yerushalayim, arabisch al-Quds, sollte laut dem Teilungsplan der UNO (Res. 181, 1947) nach dem Ende des britischen Mandats einen Corpus separatum bilden, mit Zugang aller Religionen zu ihren Stätten. Nach dem ersten arabisch-israelischen Krieg 1949 geteilt, wurde der Westteil von Israel, der Ostteil von Jordanien annektiert, beides völkerrechtswidrig. Im Juni 1967 eroberte die israelische Armee den Osten, die Palästinenser bekamen einen - prekären - Sonderstatus, während eine massive Politik der Judaisierung einsetzte. Seit 1993 bilden Juden auch im Ostteil der Stadt die Mehrheit, nicht zuletzt ein - nach und nach eingemeindeter - Siedlungskordon um die arabischen Teile änderte die demographischen Tatsachen. (red)
(DER STANDARD, Printausgabe, 14.8.2001)

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