Schrein für Minister und Extremisten

13. August 2001, 21:55
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Tokio/Wien - Der rituelle Pilgergang japanischer Politiker zum Yasukuni-Schrein im August jedes Jahres entfacht regelmäßig Proteste der Nachbarländer. Denn das Shinto-Heiligtum, errichtet im Jahr 1869 unter Kaiser Meiji und unweit des Kaiserpalasts in Tokio, ist ein Symbol des japanischen Nationalismus. Es ist den Seelen von 2,5 Millionen Soldaten gewidmet, die seit 1853 in Kriegen ihr Leben ließen. Aber ebenso werden dort 14 nach dem Zweiten Weltkrieg verurteilte und hingerichtete Kriegsverbrecher verehrt, darunter der frühere Premier und General Hideki Tojo.

Yasukuni ist zugleich ein Symbol für Japans Rechtsextreme. Schätzungen der japanischen Presse zufolge soll es etwa 900 rechtsextreme Gruppierungen im Land geben, die insgesamt an die 100.000 Mitglieder zählen. "Nihon Seinensha", die "Japan Jugendföderation", gilt als größte dieser Vereinigungen. Wichtiger sind aber die Verbindungen zu den regierenden Liberaldemokraten. Dazu zählt etwa "Shinto Seiji Renmei", der politische Flügel der "Vereinigung der Shinto-Schreine" (Jinja Honcho). Die Gruppe führt rechtsstehende Politiker der Regierungspartei LDP zusammen und wird vom 73-jährigen Tamisuke Watanuki geführt, der zugleich einflussreiches Mitglied der LDP-Fraktion im Parlament ist. (red)
(DER STANDARD, Printausgabe, 14.8.2001)

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