Sechs Enthaftungsanträge wegen Formfehlers ungültig

14. August 2001, 18:26
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Enthaftung trotzdem möglich - Mitglieder glauben an Freilassung

Rom/Genua - Sechs der insgesamt 25 Mitglieder der VolxTheaterKarawane werden vorerst auf jeden Fall in Untersuchungshaft bleiben müssen, auch wenn die anderen Aktivisten demnächst freikommen sollten: Der Enthaftungsantrag, den ihre Rechtsanwälte eingereicht hatten, wurde am Montag von einem Gericht in Genua wegen eines Formfehlers für ungültig erklärt. Im Justizpalast von Genua hatte am Montag die Haftprüfung für die seit drei Wochen inhaftierten Mitglieder der "VolxTheaterKarawane" begonnen.

Der Enthaftungsantrag der sechs Straßenkünstler wurde für ungültig erklärt, weil er eingereicht worden war, bevor sie einen Rechtsanwalt mit ihrer Verteidigung beauftragt hatten. Dies teilte eine Sprecherin des Genoa Social Forum, des Dachverbands der italienischen Globalisierungsgegner, der die österreichischen Aktivisten mit einem Rechtsanwälte-Team betreut, mit. Bei den sechs Personen handelt es sich um vier Österreicher, eine Amerikanerin und einen Australier.

Ursache: Chaos nach der Verhaftung

Die Mitglieder der Karawane sind zuversichtlich: "Alles andere als ein Freispruch wäre einer Demokratie nicht würdig. Wir hoffen auf eine rechtsstaatliche Entscheidung", so eine Sprecherin der Karawane laut einer Aussendung der Gruppe. Die VolxTheaterKarawane teilte am Montag ferner mit, die Dolmetscherin der Inhaftierten sei ausgetauscht worden. Die Inhaftierten hätten sich schon bei ihrer ersten Haftprüfung über die mangelhafte Kommunikation beschwert, heißt es in der Aussendung. Nun sei die Dolmetscherin ersetzt worden, da sie kein Wort Deutsch und nur gebrochenes Englisch gesprochen habe.

Aktivisten appellieren an Richter

Die inhaftierten Aktivisten der VolxTheaterKarawane haben am Montag einen gemeinsamen Appell an das Gericht von Genua gerichtet, in dem sie die pazifistische Natur ihrer Aktivitäten hervorhoben und für ihre Enthaftung plädierten. Wie das Rechtsanwälte-Team, das die Aktivisten betreut, berichtete, forderten die Globalisierungsgegner die drei Richter auf, sie zu ihren Familien und zu ihrer Arbeit zurückkehren zu lassen".

Die Straßenkünstler beteuerten ihre Unschuld. Sie seien keineswegs in die Gewalttätigkeiten während des G8-Gipfels verwickelt gewesen. Der italienische Rechtsanwalt der Globalisierungsgegner, Andrea Sandra, legte den drei Richtern Entlastungsmaterial vor, aus dem deutlich hervor geht, dass das Material, das bei der Festnahme der Gruppe beschlagnahmt worden war, einfache Theaterrequisite sind.

Enthaftung trotz ungültiger Anträge möglich

Die sechs Mitglieder der VolxTheaterKarawane, deren Enthaftungsantrag Formfehler aufwiesen, könnten mit den anderen inhaftierten Aktivisten bereits am Dienstag freigelassen werden, sollte das Gericht von Genua die gesamte Gruppe vom Vorwurf der kriminellen Vereinigung entlasten. Dies betonte ein Sprecher des österreichischen Konsulats in Mailand, das die Aktivisten rechtlich betreut.

Sollte dagegen der Vorwurf gegen die gesamte Theatergruppe aufrecht bleiben, müssten individuelle Zuordnungen überprüft werden. In diesem Fall könnte es in der Enthaftung der sechs Aktivisten zu Verzögerungen kommen. Ein Beschluss der Richter wird bis Dienstag Abend erwartet. (APA)

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