Ethno-Studien über Pop und Medien

15. August 2001, 00:09
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Mathias Poledna im Grazer Kunstverein

Graz - Filmaufnahmen der Probenarbeit einer fiktiven, am britischen Post-Punk orientierten Band in einem Studio in Los Angeles sind das Material, aus dem Mathias Polednas Videoinstallation Actualité im Grazer Kunstverein besteht. In einer achtminütigen Sequenz, die in einem Loop immer wieder abläuft, ist zu sehen, wie die Mitglieder der Band versuchen, einen gemeinsamen Rhythmus für einen Song entstehen zu lassen. Der hier von den Schauspielern reinterpretierte Sound stammt von ehemaligen Mitgliedern der Band Red Crayola.

Metadokumentarische Annäherung an die Mediatisierung

Aus (historisierenden) Versatzstücken aus dem Feld der Pop- und Filmgeschichte lässt Poledna eine Inszenierung, die zwischen ursprünglicher Gegenwärtigkeit und postmodernem Zitieren changiert, entstehen. In der Videoinstallation lassen sich aus Bildausschnitten, Schnitttechniken und kleinen Details zahlreiche Zitate sowohl aus der Filmgeschichte als auch aus Rockdokumentationen dechiffrieren. So entsteht eine Art metadokumentarische Annäherung an die Mediatisierung und die damit einhergehende Heterogenisierung von alltagskulturellen Phänomenen. Dazugehörige Problematiken wie Fragen der Historisierung, Rekonstruktion und die Verfügbarkeit von Versatzstücken aus dem kollektiven Bildgedächtnis der Massenmedien werden vor dem Hintergrund der verschiedenen gegenwärtigen modischen Revival-Strömungen auf liebevoll ironische und gleichzeitig sehr klare, analytische Weise zu einem Diskurs über Modernität.

Transfer von Images und kulturellen Codes

Die Videoinstallation Polednas spielt mit den Wirkstrukturen der visuellen Massenmedien. Und sie erörtert anhand der Popkultur den Transfer von Images und kulturellen Codes in diesen Strukturen. Dabei wird auch klar, "dass - obwohl Momente der Popgeschichte für eine verstärkt retrospektiv ausgerichtete Film- und Medienindustrie universell verfügbar zu sein scheinen - stets ein Rest an Nichtaktualisierbarem, Nichtübersetzbarem bleibt", so Kurator Christian Höller. Daraus eröffnet sich eine Art vielschichtige (Teilbereichs-)Ethnographie der Medienmaschine. (fn)
(fn/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14./15. 8. 2001)

Mathias Poledna.
Actualité

Grazer Kunstverein
bis 15.8.
--> Grazer Kunstverein
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