Forstwirtschaft genießt erhebliche Steuervorteile

14. August 2001, 13:29
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Steuerexperte Doralt kritisiert Begünstigungen für Waldbesitzer

Wien - Die Diskussion um den (geplatzen) Verkauf großer Waldflächen an einen Schweizer Milliardär brachte den renommierten Steuerexperten Werner Doralt auf eine einfache Frage: "Warum streben reiche Leute nach Forsten, wenn die Rendite so mager ist?" Die Antwort, die der Vorstand des Instituts für Finanzrecht an der Wiener Universität gefunden hat, ist denkbar einfach: Die Forstwirtschaft genießt in Österreich eine Reihe erheblicher Steuerprivilegien.

Steuervorteile der Forstbesitzer

Dazu gehört die völlige Steuerbefreiung beim Verkauf von Liegenschaften nicht nur durch Private, sondern auch von Betrieben, sowie eine Halbierung der Einkommenssteuer bei der "außerordentlichen Waldnutzung". Nutznießer sind vor allem große Waldbesitzer, da kleine Forstwirte meist steuerlich pauschaliert sind.

Landwirtschaft wird steuerlich geschont

Man habe zwar damit leben gelernt, dass die Landwirtschaft "steuerlich geschont wird, obwohl andere auch nicht gerne Steuer zahlen", sagt Doralt. Aber für die Forstwirtschaft "gibt es Vorteile, für die man objektiv kein Verständnis aufbringen kann", kritisiert der Steuerexperte. Eine davon betrifft die Steuerbefreiung bei Grundverkauf. "Generell ist in Österreich die Veräußerung von Grund und Boden steuerfrei", außer von protokollierten Unternehmen wie einer GmbH oder AG. Verkauft ein Betrieb ein Grundstück, etwa um Investitionen zu finanzieren, wird dieser Ertrag besteuert. Verkauft hingegen ein Forstbetrieb Liegenschaften, bleibt der Ertrag steuerfrei.

Besonders eklatant wirkt sich dieses Privileg aus, wenn durch Umwidmung von Wald in Bauflächen enorme Gewinne entstehen, die gleichfalls steuerfrei bleiben, sagt Doralt: "Das sind Milliarden, die dem Budget verloren gehen."

Einkommenssteuervorteile für Waldbesitzer

Steuerlich begünstigt - und zwar gleich um die Hälfte der Einkommenssteuer - sind Holzverkäufe aus "außerordentlicher Waldnutzung". Darunter werden Schlägerungen verstanden, die durch "höhere Gewalt" nötig werden, etwa nach Windschäden. In der Praxis werde damit "sehr großzügig" umgegangen: "Außerordentlich" sind 20 bis 30 Prozent der Waldnutzung. "Dies sind keine Bagatellbeträge, sondern sie drücken die Steuerbelastung für die Forstwirtschaft erheblich nach unten. Kein anderer Steuerpflichtiger erhält eine Steuerbegünstigung, weil Ware verdorben ist oder aus anderen Gründen billig abverkauft werden muss", kritisiert Doralt die ungleiche Behandlung. Der halbierte Steuersatz wird selbst dann angewendet, wenn es für den Forstschaden staatliche Entschädigung gibt.

Das Gesetz erlaubt diese "außerordentlichen" und somit steuerlich außerordentlich begünstigten Verkäufe auch dann, wenn es die "wirtschaftliche Lage" oder eine "persönlich schwierige" Lage des Forstwirts erfordert. (Helmut Spudich, Der Standard, Printausgabe, 14.8.2001)

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