"Es ist nicht alles Rheingold, was in Bayreuth glänzt"

15. August 2001, 02:56
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... meint Nike Wagner

Salzburg - Nike Wagner, die Urenkelin des Komponisten und eine der Nachfolge-Kandidaten für ihren Onkel als Festspielleiterin in Bayreuth, gab sich Montag in Salzburg launig: "Es ist nicht alles Rheingold, was in Bayreuth glänzt", ätzte sie in Richtung der dortigen Festspielleitung bei einem Vortrag mit dem Titel "Das Wagner-Wagnis" im Rahmen der Festspiel-Dialoge. "Ist Bayreuth wirklich ein Saisonprodukt? Eine Wurst wie eine Oberfrankenspezialität, von der man jedes Jahr ein paar Scheibchen bekommt mit der Garantie, dass Wagner drin ist?" fragte die 56-Jährige, die ihre eigenen Reformideen für den Grünen Hügel als "milde, maßvoll und geradezu rührend" bezeichnete.

Bayreuth ein "handlicher Sommerbetrieb"

Es herrsche Ratlosigkeit in Bayreuth, was mit Richard Wagners Musik heute anzufangen sei, meinte Urenkelin Nike nach einem kurzen entwicklungshistorischen Abriss der Wagner-Festspiele. Diese seien ein "handlicher Sommerbetrieb" und würden vorwiegend zur gesellschaftlichen Repräsentation genutzt, lediglich die "Ringkämpfe" der Familie Wagner würden das Publikum erhellen. "Bayreuth ist jenseits der Kunst angesiedelt" stellte die Vortragende fest, die diese Einschätzung mit einer Anekdote illustrierte, welche ein Zuschauer-Gespräch zu Anfang des dritten Aktes bei den "Meistersingern" vor Kurzem mit sich brachte: "Jetzt müssen wir durchhalten" - "Aber Hauptsache, wir sind da."

Das Bayreuth-Prinzip: Drei Schritte vor - zwei zurück

Der Geist der gegenwärtigen Epoche müsse sich bei den Wagner-Festspielen endlich manifestieren können, so wie das etwa in Salzburg in den vergangenen zehn Jahren weitgehend geschehen sei. Weitere ihrer Ideen wie jene einer zweiten Spielzeit würden ebenso wenig akzeptiert wie die Notwendigkeit einer eigenen "Bayreuther Dramaturgie" erkannt. "Wozu brauchen wir das" heiße es dann, diese "Mir san mir"-Mentalität, der man an sich österreichische Herkunft nachsage, dürfe man offenbar geographisch nicht so eng sehen. Sie wünsche sich jedenfalls, dass es in Bayreuth nicht nach dem Prinzip "drei Schritte vor und zwei zurück" weitergehe, sondern dass "Wagner wieder zum Wagnis" gemacht werde, so Nike Wagner abschließend. (APA)

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