Drei Wiener Pflegeheime werden in "Geriatriezentren" umbenannt

13. August 2001, 14:08
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Liesing, Klosterneuburg und Pflegebeabteilung des SMZ-Ost bekommen neuen Namen

Wien - Der Gesundheitsausschuss im Wiener Rathaus hat die Umbenennung von drei renommierten städtischen Gesundheitseinrichtungen beschlossen: Das Pflegeheim Liesing und das Pflegeheim der Stadt Wien in Klosterneuburg werden zu "Geriatriezentren". Auch die Pflegebeabteilung des SMZ-Ost wird in Zukunft "Geriatriezentrum Donaustadt" heißen. Die Wiener Grünen sprechen von einem "Etikettenschwindel" und fordern "dringend" die Schaffung eines Wiener Pflegeheimgesetzes.

Keine bessere Betreuung

Die Landtagsabgeordnete und Grüne Seniorensprecherin Cecile Cordon vermutete am Montag in einer Aussendung, dass der "zeitgemäßere Name" die häufig mit dem Wort "Pflegeheim" verbundene Assoziation von Einsamkeit, Alter, Siechtum und Sterben verhindern solle. "Eine schöne Verpackung verbessert noch nicht den Inhalt, die Qualität der Betreuung bleibt leider unverändert", meinte Cordon.

Forderung nach Mindeststandards

In einem Pflegeheimgesetz, so forderte sie, sollten endlich "Mindeststandards" festgelegt werden. "Im 'Geriatriezentrum Liesing' beispielsweise leben nach wie vor fast 90 Prozent der Bewohner in Vier- bis Achtbett-Zimmern", berichtete die Grüne Abgeordnete. Den über 400 pflegebedürftigen Bewohnern steht demnach kein einziger Psychologe zur Verfügung.

Zu wenig Personal

"Diese Personen haben von einer reinen Umbenennung der Anstalt noch gar nichts", betonte Cordon. Laut Personalbedarfsberechnung des Wiener Krankenanstaltenverbundes sollen für je 100 Geriatriezentrums-Bewohner 63 Pflegepersonen zur Verfügung stehen. Im Geriatriezentrum Liesing sind es demnach aber nur 51, im der Donaustadt 53 und in Klosterneuburg 57 Pfleger.

Die Grünen orten laut eigenen Angaben massiven Handlungsbedarf und verlangen gezielte Reformen und deren budgetäre Deckung: "Ein neues Schild aufzuhängen geht schnell und kostet fast nichts, die Lebenssituation der pflegebedürftigen alten Menschen zu verbessern, verlangt aber gezieltes Engagement." Dieses sei bei Gesundheitsstadträtin Elisabeth Pittermann (S) aber leider nicht zu sehen, meinte Cordon. (APA)

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