Gefahrenquelle Schwimmbad: Mediziner warnen vor Wasserrutschen

13. August 2001, 14:01
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Jährlich verletzen sich 5.000 Kinder - Von Hautabschürfungen bis zu Schädel- und Wirbelbrüchen

Graz - Vor folgenschweren Verletzungen durch die unvorsichtige Benützung von Wasserrutschen warnen nun Grazer Kinderchirurgen, nachdem in der Vorwoche ein zehnjähriges Kind im steirischen Bärnbach einen Schädelbruch erlitten hatte. "Immer wieder kommt es zu schwersten Verletzungen, wenn Kinder in der Bauchlage oder im Stehen rutschen", so Michael Höllwarth, der Leiter der Kinderchirurgie Graz und Vorstand des Österreichischen Komitees für Unfallverhütung. Laut der jüngsten Studie reicht die Bandbreite der Verletzungen von Zahnluxationen über Gehirnerschütterungen bis hin zu Schädel- und Wirbelbrüchen.

Unfälle rund um das Wasser

Nach der Studie der Grazer Abteilung für Unfallforschung und Prophylaxe stellt das eigentliche Schwimmen und Tauschen ein geringeres Unfallrisiko dar: Die meisten Unfälle passieren zum überwiegenden Teil "rund um das nasse Element", sprich an den Spielgeräten wie Wasserrutschen und Sprungbrettern", so Studienautor Spitzer. Im Vordergrund der Unfallfolgen stehen Extremitätenverletzungen (43.6%), gefolgt von Kopfverletzungen (39.1%). "Bitte warnen Sie ihr Kind vor den dramatischen Gefahren einer falschen Benützung dieses Spielgerätes", appelliert Höllwarth.

5.000 verletzte Kinder

Annähernd 5.000 Kinder verletzen sich jährlich beim Wassersport. Die Abteilung für Unfallforschung und Prophylaxe hat rund 500 Eltern der in die österreichischen Krankenhäuser eingelieferten "Wassersport-Patienten" nach dem Unfallhergang befragt. Die Analyse ergab, dass Unfälle im Rahmen der Wasserrutschenbenutzung im Vordergrund (18.1% der Unfälle) stehen, gefolgt von Unfällen verursacht durch (Kopf)-Sprünge vom Schwimmbeckenrand (14.9%). Auch das Laufen in der Schwimmbeckenumgebung (vor allem Abfangen - Spielen) ist laut Studie relativ unfallträchtig (14.2%). 85 Prozent der Unfälle haben sich in öffentlichen Schwimmbädern oder an Freizeit-Seen ereignet.

Wasserrutschen

Auf Grund der Häufigkeit der Wasserrutschen - Unfälle wurden diese genauer analysiert und aufgeschlüsselt. Mehr als die Hälfte dieser Unfälle wurden durch Kollisionen ausgelöst, wobei sich drei Viertel dieser Zusammenstöße im Eintauchbereich am Rutschenende ereigneten. Der Zusammenprall als häufigste Unfallursache zeigt meist ein typisches Verletzungsmuster: Kopf- oder Halswirbelsäulenverletzung des vorausrutschenden Kindes und Fußverletzung des Nachrutschenden, so Spitzer.

Beim Rutschen in Bauchlage - meist Kopf voraus - kann es, wie bei letzten Fall in der Vorwoche, zu besonders schwerwiegenden Kopf-, Gesichts- oder Halswirbelsäulenverletzung kommen. Eine zusätzliche Gefahrenquelle stellen die Leitern dar, bei denen ölige Hände und nasse Füße zum Abrutschen und Absturz führen können.

Abstand halten

Um das Unfallrisiko zu minimieren, empfiehlt des Österreichischen Komitees für Unfallverhütung folgende Maßnahmen: Auf der Rutsche dem "Vordermann" Zeit lassen. Rutschen in Bauchlage oder gar Knien unbedingt vermeiden, nach der Einmündung ins Wasser sofort wegschwimmen und auch bei den Leitern aufpassen, wenn die Hände und Füße nass sind, weil hier die Gefahr des Ausgleitens besteht. (APA)

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