Die Albaner in Mazedonien

13. August 2001, 13:36
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Streitobjekt seit osmanischen Zeiten

Skopje/Wien - Die albanische Frage in der heutigen Republik Mazedonien hat ihren Ursprung in der Migration der Albaner im 16. und 17. Jahrhundert. Die Ansiedlung der islamisierten albanischen Bevölkerung ging in mehreren Etappen vor sich und hatte wie im Kosovo fast ausschließlich wirtschaftliche Motive. Ende des 17. Jahrhunderts erreichten die Albaner, hauptsächlich arme Hirten der Stämme der Mirditen und Malisoren, den Oberlauf des Vardar und siedelten auch in den Städten wie Tetovo, Debar, Gostivar und Skopje. Von den osmanischen Behörden wurden die albanischen Migranten besonders bevorzugt. In dieser Zeit wurden auch große slawische Bevölkerungsgruppen islamisiert.

Albanische Expansion

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts kam es zur weiteren albanischen Expansion in die südwestlichen Gebiete Mazedoniens. Das Nationalbewusstsein der albanischen Feudalherren war schwach. Ihr Verhalten wurde von persönlichen Interessen bestimmt. Im Gegensatz zu Griechen und Serben unternahmen die Albaner keinen Versuch, für ihre nationale Befreiung zu kämpfen. Erste nationale Bestrebungen kamen nach dem russisch-türkischen Krieg 1877/78 zur Geltung, in dem die albanischen Anführer die osmanische Armee unterstützt und dafür die Zusage einer Autonomie erhalten hatten.

Die türkische Niederlage ließ diese Versprechen aber nicht Realität werden. Der Friedensvertrag von San Stefano (Yesilköy) sah vor, fast ganz Mazedonien einem "Großbulgarien" einzuverleiben, was bei allen anderen Balkanvölkern auf Ablehnung stieß. Die Angst vor der Teilung der albanischen Territorien führte zur Gründung der "Liga von Prizren", die beim Berliner Kongress 1878 die Vereinigung aller von Albanern bewohnten Gebiete zu einer autonomen Provinz des Osmanischen Reiches beantragte. Dies hatte aber keine Chance auf Verwirklichung. Die Hohe Pforte vertrat die albanischen Interessen nur so lange, als sie den eigenen dienten, und ließ die "Liga von Prizren" auflösen.

Großalbanien

Das Großalbanien-Projekt kam 1912 wieder zum Vorschein, als es von Österreich-Ungarn und Italien in einer geheimen Vereinbarung mit dem Ziel unterstützt wurde, einem slawischen Vordringen in die südliche Adria einen Riegel vorzuschieben. Vor Ausbruch des ersten Balkankrieges hatten albanische Aufständische große Teile des kompakten Siedlungsgebietes Westmazedoniens unter ihre Kontrolle gebracht. Zerstört wurden die Großalbanien-Pläne durch den ersten Balkankrieg, der die osmanische Herrschaft in Mazedonien beendete.

Am Streit um die Aufteilung Mazedoniens entzündete sich der zweite Balkankrieg: Bulgarien griff seine bisherigen Verbündeten Griechenland und Serbien an und unterlag, nachdem sich auch Rumänien und die Türkei einschalteten. Durch den Bukarester Friedensvertrag kam das Gebiet der heutigen Republik Mazedonien 1913 zu Serbien, die slawische Bevölkerung wurde als "südserbisch" bezeichnet. Auf die Frage, was mit den Albanern geschehen werde, soll Serbiens Regierungschef Nikola Pasic geantwortet haben: "Wir werden sie serbisieren, und wenn sie sich nicht serbisieren lassen, werden wir sie vertreiben, und wenn sie sich nicht vertreiben lassen, werden wir sie umbringen".

Gründung Albaniens

Der neue Staat Albanien, dessen Souveränität die Londoner Konferenz 1913 besiegelte, wurde als Torso aus der Taufe gehoben. Er umfasste nur ein Gebiet von weniger als 30.000 Quadratkilometern. Mit Unterstützung Frankreichs setzte Russland durch, dass das Kosovo zu Serbien kam. Viele Albaner aus "Südserbien" zogen in das unabhängige Albanien um.

Nach der 1921 durchgeführten Volkszählung gab es 136.000 Albaner auf dem Territorium der jetzigen Republik Mazedonien, das waren 15,9 Prozent der Bevölkerung. Nach der Zerschlagung Jugoslawiens durch Hitler-Deutschland 1941 wurden die westlichen Teile Mazedoniens (mit Tetovo, Gostivar und Debar) dem vom faschistischen Italien besetzten Albanien einverleibt. Zu Bulgarien kamen der größere Teil Vardar-Mazedoniens sowie Teile des Kosovo und Ostserbiens.

Unterdrücktes Nationalbewusstsein

Die italienische Okkupation hat auch das Nationalbewusstsein der Albaner Mazedoniens nachhaltig gestärkt. Nach dem Zweiten Weltkrieg und der Wiedererrichtung Jugoslawiens durch Tito, der eine eigene Teilrepublik Mazedonien schuf, wurde 1948 eine Volkszählung durchgeführt, die das Kriterium der Volkszugehörigkeit berücksichtigte. Nicht wenige Albaner deklarierten sich dabei als Türken, um leichter in die Türkei auswandern zu können. Nach dem Zerfall Jugoslawiens und der Unabhängigkeit Mazedoniens betrug die Zahl der Albaner (Volkszählung 1994) in der Republik 441.104, das sind 22,9 Prozent der Gesamtbevölkerung. Diese Zahlen wurden von den Albanern jedoch nicht anerkannt. (APA)

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