Djindjic: Annäherung an Europa entscheidend für Balkan

13. August 2001, 21:25
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Serbischer Premier zu Besuch bei Schüssel - Warnung vor Terrorexport aus dem Kosovo

Wien - Entscheidend für Südosteuropa sei es, durch langfristige Strategien die Region an Europa anzunähern, erklärte der serbische Ministerpräsident Zoran Djindjic am Montag vor Journalisten in Wien. Anlässlich eines "informellen Besuchs" bei Bundeskanzler Wolfgang Schüssel betonte Djindjic, dass dafür eine "globale Sicherheitssituation am Balkan" eine wichtige und notwendige Voraussetzung wäre.

Zugleich hob er aber das Problem hervor, dass sich "derzeit Terrorismus auszahlt", denn derzeit seien "jene in der besseren Situation, die schießen", kommentierte Djindjic die jüngsten Entwicklungen in Mazedonien.

Als Gegenbeispiel für das Vorgehen der albanischen Rebellen in Mazedonien, die sich auf einen "Export des Terrorismus aus dem Kosovo" stützen würden, nannte der serbische Premier das Verhalten der Kosovo-Serben, die weiterhin mit den größten Problemen konfrontiert seien.

Wichtig sei es, auf die internationale öffentliche Meinung einzuwirken und klarzustellen, dass "mit Gewalt nichts erreicht werden kann", betonte Djindjic. Bezüglich der Situation in Südserbien erklärte er, dass es zwei Hauptströmungen gebe. Die eine von den albanischen Extremisten unterstützte Ströhmung strebe nach einem "ethnischen albanischen Staat" nach dem Prinzip "alle Albaner in einen Staat". Diese Politik, die am Balkan im letzten Jahrzehnt dominiert habe, dürfe keine Unterstützung finden, denn dann könnte es auch ähnliche Entwicklungen etwa in Bosnien und anderen Balkanländern geben, indem die verschiedenen Völker alle ihren eigenen Staat fordern würden.

Nur Integration kann helfen

Die zweite Strömung beruhe auf dem Grundsatz "schnell nach Europa", und diese müsse unterstützt werden, denn "nur Integration kann helfen", so Djindjic. Bezüglich der weiteren Entwicklung in Südserbien zeigte sich der Premier optimistisch und überzeugt, dass es positiv weitergehen werde.

Den Besuch in Wien wollte Djindjic nutzen, um mit Schüssel neben sicherheitspolitischen vor allem wirtschaftliche Fragen zu erörtern. Im Mittelpunkt dabei dürfte die von Österreich im Rahmen der internationalen Geldgeberkonferenz Ende Juni zugesicherte Finanzhilfe in der Höhe von 112 Millionen Schilling stehen. Djindjic äußerte die Hoffnung, dass spätestens im nächsten Monat mit der Realisierung der Finanzhilfe begonnen werde.

Schüssel erklärte zu diesem Thema, dass die Finanzhilfe von der Realisierung der Projekte abhänge. Der Bundeskanzler betonte zugleich, dass Serbien "gerade in der jetzigen Situation großes Augenmerk und großes Interesse verdient". Zum ersten Mal seien in Serbien Demokraten und "pro europäisch eingestellte Politiker" an der Macht. Der Westen und Österreich müssten "alles tun, um ihnen die Türen zu öffnen und Perspektiven aufzuzeigen" bekräftigte Schüssel. (APA)

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