Schwere Depressionen verdoppeln Sterberate bei Herzversagen

13. August 2001, 12:17
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Risikofaktor unabhängig von Alter und Schwere der Erkrankung u

Durham - Forscher des Duke University Medical Center haben herausgefunden, dass schwer depressive Patienten mit dekompensierter Herzinsuffizienz (CHF) doppelt so häufig innerhalb eines Jahres sterben oder wieder ins Krankenhaus eingewiesen werden. Nachdem fast die Hälfte der Patienten mit klinisch signifikantem Herzversagen innerhalb von fünf Jahren nach der Diagnose stirbt, fordert die leitende Wissenschaftlerin Wei Jiang, dass alle CHF-Patienten auf schwere Depressionen hin getestet werden. Schwere Depressionen gelten in diesem Fall als ein von Alter und Schwere der Erkrankung unabhängiger Risikofaktor, berichten die Archives of Internal Medicine.

Im Vergleich starben schwer depressive CHF-Patienten 2,5-fach häufiger innerhalb von drei Monaten nach ihrer Einlieferung als nicht depressive Betroffene. Ein Jahr später lag die Rate bei 2,23-fach. Wiedereinweisungen waren bei dieser Risikogruppe innerhalb von drei Monaten 1,9-fach häufiger, nach einem Jahr 3,07-fach. Von den 357 Teilnehmern an der Studie zeigten 35,3 Prozent innerhalb des 15 monatigen Beobachtungszeitraumes Symptome einer Depression, 13,9 Prozent einer schweren Depression. Nichtdepressive Patienten wiesen nach drei Monaten eine Sterberate von 5,7 Prozent und 13,7 Prozent nach einem Jahr auf. Bei Teilnehmern mit schweren Depressionen stiegen diese Werte rapide auf 13 respektive 26,1 Prozent. Ein ähnliches Bild zeigte sich bei den Wiedereinweisungen ins Krankenhaus: Nach drei Monaten wurden 36,5 Prozent im Vergleich zu 52,2 Prozent wieder eingeliefert, nach einem Jahr 52,2 Prozent zu 80,4 Prozent.

Laut Jiang sei der notwendige nächste Schritt herauszufinden, ob das Behandeln der Depressionen einen positiven Einfluss auf den Verlauf der Herzerkrankung habe. Bis jetzt seien keine derartigen Studien durchgeführt worden. "Ein weiteres Problem besteht darin, dass diese Patienten bis zu acht verschiedene Medikamente einnehmen müssen und es mit den derzeit auf dem Markt befindlichen Anti-Depressiva zu unerwünschten Wechselwirkungen kommt." Sie betonte ebenfalls, dass es sich bei schweren Depressionen um weit mehr als um verständliche Reaktionen angesichts einer lebensbedrohlichen Erkrankung handle. (pte)

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