Schwächelnde Wirtschaft bremst Investitionen

13. August 2001, 16:06
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Wifo sieht für heuer ein Minus von 0,8 Prozent

Wien - Die schwächere Konjunktur wird heuer in Österreich auch die Investitionen bremsen. In der Sachgütererzeugung, Bau- und E-Wirtschaft sowie bei den Verkehrs- und Versorgungsbetrieben werden die Investitionen heuer um 0,8 Prozent sinken, geht aus dem jüngsten Investitionstest des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo) hervor. Die Konjunkturindikatoren weisen für Österreich seit mehreren Monaten nach unten. Die in die Zukunft gerichteten Indikatoren wie Produktionserwartungen und Einschätzung der Geschäftstätigkeit in den kommenden Monaten deuten laut Wifo auf einen weiteren Konjunkturabschwung in der zweiten Jahreshälfte 2001 hin.

Vor allem die Unternehmen der Sachgüterindustrie hätten ihre Investitions-Pläne stark nach unten korrigiert und planten nur mehr eine Ausweitung um nominell 2,5 Prozent, nach 15,1 Prozent im Jahr 2000. Die E-Wirtschaft wird ihre Investitionen um 14,7 Prozent zurücknehmen, die Verkehrs- und Versorgungbetriebe um 13,9 Prozent.

Fahrzeugindustrie stockt auf

Die gesamten Bruttoanlageinvestitonen, in denen auch in der Umfrage nicht einbezogene Bereiche wie Dienstleistungsunternehmen und der öffentliche Sektor berücksichtigt sind, werden nach Einschätzung des Wifo heuer real nur mehr um 1,3 Prozent steigen, nach einem Plus von noch 3,4 Prozent im Jahr 2000. Grund dafür seien die "markante" Wachstumsabschwächung und die verschlechterten Absatzerwartungen der österreichischen Unternehmen auf den Auslandsmärkten.

In der Sachgüterindustrie, mit ihrer mäßigen Ausweitung von 2,5 Prozent (real 1,2 Prozent), hätten gegenüber der Herbstbefragung vor allem die Hersteller von Vorprodukten, dauerhaften und nichtdauerhaften Konsumgütern sowie von Nahrungsmitteln Kürzungen ihrer Investitionspläne angegeben. Die Bergbaubetriebe und die Investitionsgütererzeuger hätten ihre Pläne etwas erhöht, so das Wifo am Montag in einer Pressemitteilung. Einen kräftigen Zuwachs gebe es in der Fahrzeugindustrie. Nach unten revidiert haben die Unternehmen der Sachgüterindustrie auch ihre Umsatzerwartungen mit plus 5,1 Prozent nominell. Das reale Produktionswachstum sieht das Wifo nunmehr mit 2,7 Prozent für 2001.

Baubranche schwächelt

Erneut schlechter sei die Konjunktureinschätzung der heimischen Bauwirtschaft. Die Beschäftigung lag von Jänner bis Juni 2001 merklich unter dem Niveau des Vorjahres. Für das Gesamtjahr 2001 rechnet das Wifo mit einer Zunahme der realen Bauproduktion um 0,5 Prozent und im Jahr 2002 um 1 Prozent. Besonders betroffen sei wegen der Schwäche der Wohnungsnachfrage der Wohnungsneubau, dessen Rückgang seinen Tiefpunkt noch nicht erreicht haben dürfte. Aber auch der kommunale Tiefbau und der Industriebau sind rückläufig. Insbesondere im Tiefbau entwickeln sich die Auftragseingänge - aufgrund der im Zuge der Budgetkonsolidierung zurückhaltenden Projektierung der öffentlichen Hand - schleppend. Weiterhin hoch ist hingegen die Nachfrage im Bürobau. Die Pläne für Maschinen- und Geräteinvestitionen im Jahr 2001 wurden vorsichtig erstellt, die Ausgaben liegen voraussichtlich nominell um 6 Prozent unter dem Vorjahresniveau, erwartet das Wifo.

Bei den Energieversorgern wird der Verbund seine Investitionen mit minus 0,7 Prozent zwar relativ stabil halten, der Rückgang bei den Landes-EVU von 13,4 Prozent sowie bei den städtischen Versorgern (minus 11,0 Prozent) lassen ein Minus von insgesamt 14,7 Prozent erwarten. Der Wettbewerb im Zuge der Liberalisierung des Strommarktes erzwinge Rationalisierungsmaßnahmen in unterschiedlichem Ausmaß, so das Wifo.

Für die Verkehrs- und Versorgungsbetriebe wird eine Einschränkung der Gesamtausgaben um 13,9 Prozent erwartet, die in etwa gleichem Ausmaß durch geringere Bau- (Verkehrsbetriebe) wie Ausrüstungsinvestitionen (Fernwärmeversorgung) bedingt ist. (APA)

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