Ethnische und religiöse Vielfalt

13. August 2001, 10:24
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Die jüdische Geschichte des Landes endete mit der Naziherrschaft

Eisenstadt - Wie kein anderes österreichisches Bundesland ist das Burgenland von einer ethnischen und konfessionellen Vielfalt geprägt worden. Deutsche, Kroaten, Ungarn, Roma, Juden, Katholiken sowie ein im Österreich-Vergleich starkes protestantisches Element haben zu einem Miteinander in Toleranz - manchmal war es auch nur ein Nebeneinander - geführt. Die jüdische Geschichte des Burgenland endete 1938 - mit Beginn der Naziherrschaft. Auch für die Roma brachte der Anschluss an Hitler-Deutschland Verfolgung und Ausrottung.

Verfolgung der Roma

Zuletzt hat der Bombenanschlag des Steirers Franz Fuchs auf vier Männer der Oberwarter Roma-Siedlung vom Februar 1995 die Erinnerung an das tragische Schicksal dieser Volksgruppe geweckt. Diese Bevölkerungsgruppe galt schon vor Jahrhunderten als Außenseiter und wurden schikaniert.

Vor 1938 gab es in Österreich rund 11.000 Roma, der größte Teil - etwa 8.000 Menschen - waren Burgenland-Roma. Ein Großteil von ihnen viel der Mord-Maschinerei der Nazis zum Opfer. Nur ein kleiner Teil kehrte zurück - und musste vielfach weiter am Rande der Gesellschaft und der Dörfer leben. Zu Beginn der neunziger Jahre erfolgte für die Roma durch die Anerkennung als Volksgruppe zumindest ein erste Schritt zu einer Integration innerhalb des Landes.

Zusammenleben mit KroatInnen

Konfliktfrei verlief und verläuft das Zusammenleben mit den Burgenland-Kroaten. Bei der Volkszählung 1991 gaben 19.460 Burgenländer (7,18 Prozent der Bevölkerung) Kroatisch als Umgangssprache angegeben, ihre tatsächliche Zahl dürfte bei 30.000 bis 35.000 liegen. Die Kroaten leben seit nahezu 500 Jahren im heutigen Burgenland, das Burgenlandkroatische entwickelte sich als eigenständige regionale Schriftsprache.

Ungarischer Einfluss

Die Burgenland-Ungarn sind zahlenmäßig nur mehr eine kleine Gruppe. 1991 führten kaum 5.000 Menschen Ungarisch als Umgangssprache an. Ihre Hauptsiedlungsgebiete liegen im mittleren und südlichen Burgenland. So wie bei den Burgenland-Kroaten ist auch eine beträchtliche Zahl von Burgenland-Ungarn mittlerweile in Wien beheimatet - eine Folge der Abwanderung.

Jüdische Gemeinde

Ein eigenes tragisches Kapitel in der Geschichte des Burgenlandes ist das Schicksal der burgenländischen Juden. Im Burgenland existierte vor 1938 rund ein Dutzend jüdische Gemeinden mit einer blühenden jüdischen Kultur. Die bekanntesten waren die sogenannten "Sieben-Gemeinden" Kittsee, Frauenkirchen, Eisenstadt, Mattersburg, Kobersdorf, Lackenbach und Deutschkreutz, die unter dem Schutz der Familie Esterhazy standen.

Mitte des vorigen Jahrhunderts wurden etwa 8.000 Juden im Gebiet des heutigen Burgenlandes gezählt, zur Zeit der Angliederung an Österreich etwa 3.000. Das "Aus" kam 1938.

Am 4. Dezember berichtete die nationalsozialistische "Grenzmarkzeitung": "Zufolge der Maßnahmen der deutschen Behörden hat gleich nach der Angliederung an das Reich eine Absonderung der Juden eingesetzt, die nun als abgeschlossen bezeichnet werden kann. Die Reste der Juden sind in einzelnen Bezirken auf sechs bis acht Personen zusammengeschmolzen, so daß auf dem Gebiete des ehemaligen Burgenland kaum mehr als 40 Juden anzutreffen sein dürften." (APA/red)

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