Kärnten: Bus prallte gegen Portal des Reigersdorfertunnels

14. August 2001, 22:14
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Bus zur Hälfte eingedrückt - 26 Verletzte - Lenker war riskant unterwegs

Klagenfurt - Die Serie schwerer Unfälle im Bereich von Autobahn-Tunnels reißt nicht ab. Montag früh krachte ein italienischer Reisebus mit rund 30 polnischen Pilgern an Bord ungebremst gegen das Ostportal des Reigersdorftunnels zwischen Klagenfurt und Grafenstein. Dabei wurden laut Angaben der Gendarmerie 26 Personen verletzt, vier davon schwer.

Kurz nach sechs Uhr

Das Unglück ereignete sich kurz nach 6 Uhr. Den kurz später eingetroffenen ersten Rettern bot sich ein Bild der Verwüstung. Der Bus war bis zur Hälfte eingedrückt, der aus Rom stammende 30-jährige Lenker wurde durch die Wucht des Aufpralls mehr als 20 Meter weit in das Tunnelinnere geschleudert und erlitt lebensgefährliche Verletzungen. Mehrere Businsassen wurden aus dem Wrack katapultiert, da die Sitze aus den Verankerungen gerissen wurden.

Verletzungen

Die meisten Fahrgäste erlitten durch umher geschleuderte Gepäckstücke Verletzungen im Kopfbereich sowie Schnittwunden durch Glassplitter. Auch zwei Mädchen wurden schwer verletzt. Ein Sprecher des LKH Klagenfurt bezeichnete den Zustand des noch am Vormittag notoperierten Buslenkers als "lebensbedrohlich". Der Mann habe schwerste Bauchverletzungen mitsamt einem Leberriss sowie eine Reihe von Brüchen davon getragen.

Fehlverhalten des Lenkers

Der Chef der Verkehrsabteilung beim Landesgendarmeriekommando, Oberst Adolf Reiter, sprach in einer ersten Reaktion von einem "eindeutigen Fehlverhalten" des Lenkers. Ein vom Bus vor dem Unglück überholter Lkw-Lenker habe mitgeteilt, dass der sehr schnell fahrende Bus mehrmals von einer Fahrbahnseite auf die andere gewechselt sei. Dabei soll er auch das Bankett touchiert haben. "Ich nehme an, dass der Lenker kur vor dem Tunnel plötzlich vom Schlaf übermannt wurde", sagte Reiter.

Aufräumarbeiten

Die Rettungs- beziehungsweise Aufräumarbeiten dauerten bis in die Mittagsstunden, die Autobahn war in Richtung Italien bis 13 Uhr gesperrt. Insgesamt standen zwei Rettungshubschrauber, etwa 20 Rettungsautos sowie mehrere Feuerwehren im Einsatz. Zu einem weiteren Zwischenfall kam es bei der Bergung des total havarierten Busses. Als dieser mit Hilfe eines Tiefladers auf der - zu diesem Zeitpunkt ebenfalls gesperrten Richtungsfahrbahn Wien - abtransportiert wurde, stürzte er mitten im Tunnel auf die Fahrbahn. Dadurch kam es zu weiteren Verzögerungen.

Die Südautobahn zwischen Klagenfurt-Ost und Völkermarkt-West war erst vor drei Jahren zum Verkehr frei gegeben worden. Seither hatten sich in diesem Bereich schon eine Reihe von Unfällen ereignet. Zuletzt war am 23. Juli eine junge Kärntnerin ebenfalls ungebremst gegen das Portal des Reigersdorftunnels geprallt und getötet worden. In den Unfall waren damals weitere sieben nachkommende Fahrzeuge verwickelt gewesen. (APA)

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