Graf zu Silber: "Ein Stich ins Herz!"

13. August 2001, 11:46
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Die Gewinnerin der Silbermedaille über 800 Meter im Interview

Edmonton/Alberta - Interview mit Stephanie Graf, die am Sonntag hinter Maria Mutola aus Mosambik mit Silber über 800 m für Österreichs größten Erfolg bei Leichtathletik-Weltmeisterschaften gesorgt hat.

Was überwiegt bei Ihnen nach diesem Rennen, die Freude über Österreichs größten Erfolg in der WM-Geschichte oder die Enttäuschung, um drei Hunderstel Gold verloren zu haben?

Graf: "Natürlich ist bei dieser Silbermedaille ein Riesenpatzen Freude dabei, aber genauso ist jeder zweite Platz auch ein Stich ins Herz. Doch wie ich bei der Siegerehrung, die immer ein Indikator für mein Glücksgefühl ist, bemerkt habe, bin ich im Gegensatz zu Silber in Lissabon auf diese Leistung wirklich sehr stolz. Denn mir sind in diesem Moment die Tränen herunter gekullert und wie in Sydney hatte ich eine Gänsehaut, als die österreichische Fahne aufgezogen wurde. Schade war nur, dass ich dabei erneut nicht die österreichische Hymne gehört habe."

Woran lag es, dass sich Ihr Goldtraum nicht erfüllt hat?

Graf: "Maria war einfach die Glücklichere. Ich habe keinen Fehler gemacht und bis zum letzten Meter gekämpft. Maria ist dagegen fast schon zu verwegen gelaufen, als sie in der Schlussrunde am Ende der Gegengeraden ganz bewusst total abgestellt hat. Dass sich da Gold noch ausgegangen ist, war schon Glück, denn drei Hundertstelsekunden kann niemand kalkulieren. Natürlich hätte ich versuchen können, noch mehr als die Maria zu bremsen, damit sie vorgehen muss, und wäre am Ende vielleicht vor ihr gewesen, allerdings als Zweite. Gold wäre dann nämlich sicher weg gewesen und an Vriesde gegangen."

An was haben Sie im Finish gedacht?

Graf: "Ich habe mir vorgestellt, dass ich wie im Training, wo meine Mutter immer mit einem gewissen Vorsprung vor mir startet, die Mama einholen muss. Ich habe also überhaupt nicht an Maria gedacht, sondern mich nur nach vorne orientiert und bin um mein Leben gerannt. Leider ist es sich aber ganz knapp nicht ausgegangen. Doch ich bin sicher, dass diese Macht - das Glück - irgendwann auch einmal für mich im entscheidenden Moment da sein wird."

Nach der WM stehen nun gleich die drei restlichen Golden-League- Meetings auf dem Programm, bei denen es für Sie noch um den mit 50 kg Gold gefüllten Jackpot geht. Mit welchen Gefühl gehen Sie in diese bevorstehenden Aufgaben?

Graf: "Ich freue mich schon auf diese Meetings, denn nach der WM ist jetzt für mich der ganze Druck weg. Außerdem gibt es von nun an wieder Tempomacherinnen. Auch hat der Gewinn des Jackpots für mich eine besondere Bedeutung. Ich werde also wieder alles daran setzen, um keiner den Vortritt zu lassen. Schon am Freitag in Zürich dürfen sich die Zuschauer auf das nächste spannende Rennen zwischen mir und Maria freuen, die ja dort acht Mal hintereinander gewonnen hat. Und diese Serie will ich unbedingt beenden." (APA)

"Maria Mutola war einfach die Glücklichere!"
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