Spielball Volksgruppenradio

12. August 2001, 23:57
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Burgenland: Mora fürchtet sich vorm eigenen Geschäftsführer

Die Gnadenfrist für das viersprachige burgenländische Volksgruppenradio ist, wieder einmal, verlängert worden. Die Landesregierung wird dem Verein Mehrsprachiges offenes Radio (Mora) eine außerordentliche Subvention überweisen, die, schätzt Manfred Csenar, Geschäftsführer der Betreibergesellschaft Antenne 4, "bis Ende September reichen wird".

Ausbezahlt ist die Subvention allerdings noch nicht. Die ÖVP hat in der vergangenen Regierungssitzung ihre Zustimmung verweigert. VP-Chef Franz Steindl will alle noch nicht beschlossenen Projektförderungen aus dem Jubiläumsgeld zum 80-jährigen Geburtstag des Burgenlandes "im Paket verhandeln", was den früheren Antenne-Geschäftsführer und jetzigen Grün-Mandatar Josko Vlasich verwundert, denn "es drängt die Zeit".

Antenne-Geschäftsführer Michael Freismuth hat seinen Co, Manfred Csenar, wissen lassen, dass er den Gang zum Insolvenzrichter überlege. Freismuth zum STANDARD: "Als Geschäftsführer wäre ich im Fall des Falles ja dazu verpflichtet, allerdings gehe ich davon aus, dass Mora seinen finanziellen Verpflichtungen nachkommen wird." Das konnte Mora, da die Bank die Subventionszusage des Landeshauptmanns als Kreditsicherung akzeptierte. Zum Querschuss der ÖVP bei der Subventionsvergabe wollte er nichts sagen, "das ist eine Angelegenheit der Politiker".

Also zum Beispiel eine des VP-Landtagsabgeordneten Kurt Lentsch. Dem gehört die Lokalradio Burgenland GmbH (Geschäftsführer: Michael Freismuth). Die ist zu zehn Prozent an der Antenne 4 (Geschäftsführer: Michael Freismuth) beteiligt, zu 50,66 Prozent an der lizenzhaltenden Mora & Partner Gmbh (Geschäftsführer: Michael Freis-muth). Weshalb Manfred Csenar eine gezielte Taktik nicht ausschließen will: Wird die Sendegesellschaft insolvent, wäre die Radiolizenz frei und leichter verkäuflich.

Gerichtsanhängig

Csenars Mutmaßung beschäftigt auch die Gerichte. Mora & Partner-Geschäftsführer Michael Freismuth - Hofrat der Landesregierung und langjähriger Büroleiter von Ex-VP-Chef Gerhard Jellasitz - hat den mit sich als Antenne-4- Geschäftsführer geschlossenen Beauftragungsvertrag gekündigt. Worauf Manfred Csenar eine Feststellungsklage auf weitere Vertragsgültigkeit einbrachte. In der vor kurzem stattgefundenen Tagsatzung hatte sich das Gericht damit noch nicht beschäftigen können. Freismuth hatte eingewandt, dass der Kläger gar nicht klagsberechtigt wäre: Auf der Klagsschrift würde eine Unterschrift fehlen. Die von Michael Freismuth. (Wolfgang Weisgram/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13. 8. 2001)

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