Risikokapitalfluss kommt ins Stocken

12. August 2001, 20:28
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Starker Rückgang der Investitionen in den USA

Frankfurt/Main - Die Börsenflaute zieht auch den Markt für Risikokapital in Mitleidenschaft. Besonders deutlich ist der Einbruch im zweiten Quartal in den USA, wo 61 Prozent weniger in junge Firmen investiert wurde. Weniger dramatisch sieht es dagegen in Deutschland aus. Von einem Halbjahresergebnis des Beteiligungsmarktes knapp über dem des Vorjahreszeitraumes berichtet der Bundesverbandes Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK). Doch auch hier hinterließ die Flaute ihre Spuren.

In den USA investierten Kapitalgeber im zweiten Vierteljahr nur noch 10,6 Mrd. Dollar (11,86 Mrd. Euro/163,2 Mrd. S) in junge Unternehmen, das war ein Rückgang von 61 Prozent, wie die Venture Capital Association berichtete.

Vor allem die Internetfirmen bekamen die sinkende Investitionsbereitschaft deutlich zu spüren. Dafür stiegen Firmen aus den Bereichen Biotechnologie, Medizin und Gesundheit in der Gunst risikoreicher Kapitalgeber. Sie investierten in diese Firmen im zweiten Quartal 1,47 Mrd. Dollar und damit 37 Prozent mehr als vor einem Jahr. Dennoch reichte dieses Plus bei weitem nicht aus, um das deutliche Minus beim Risikokapital im Technologiesektor auszugleichen.

"Investitionen bewegen sich auf dem Vorjahresniveau"

In Deutschland erhielten laut BVK 1.004 Firmen insgesamt 3,3 Mrd. (1,69 Mrd. Euro) an neuem Beteiligungskapital. Im Vorjahreszeitraum waren es 3,2 Mrd. DM. Insgesamt wiesen die Mitglieder des BVK Ende Juni ein investiertes Kapital von 23,5 Mrd. DM auf, das sich auf 5.603 Firmen verteilte. "Die Investitionen bewegen sich auf dem Vorjahresniveau, der Anteil an Neufinanzierungen nimmt gegenüber dem ersten Quartal dieses Jahres wieder zu", resümiert der Verband.

Mit 36,9 Prozent dominierte die Finanzierung zur Expansion bestehender Unternehmen. Die risikoreichere Investition in der Frühphase von Unternehmen, das klassische Venture Capital, lag bei knapp unter 30 Prozent. Bei den Branchen lagen Chemie/Werkstoffe mit 20,82 Prozent der Investitionen knapp vor der Informationstechnologie mit 20,45 Prozent, Platz drei belegte mit 10,14 Prozent die Biotechnologie.Aber auch der deutsche Beteiligungsmarkt kam nicht ungeschoren davon. "Verluste sind ein bedauerlicher, aber unabdingbarer Bestandteil einer Konsolidierungsphase, die naturgemäß einen Boom beendet", erklärte der BVK.

Dennoch zeigt sich BVK-Vorstandschef Werner Schauerte, zuversichtlich. Einen dramatischen Rückgang der Investitionen wie in den USA erwartet er nicht. Vielmehr rechnet er mit einer Stagnation in den nächsten ein bis zwei Jahren. Den Einbruch in den USA führt Schauerte unter anderem auf den Boom des Venture-Capital-Marktes in der Vergangenheit zurück. 69 Prozent der VC-Finanzierungen der vergangenen 25 Jahren seien 1999 und 2000 erfolgt. Jetzt sei die Blase geplatzt. (APA/AP)

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