Goldener Leopard für Italiener Sciarra

12. August 2001, 20:25
posten

Entscheidung stieß bei Kritikern und Medien auf Proteste und Buhrufe

Locarno - Die internationale Jury des Filmfestivals von Locarno hat am Sonntag den italienischen Wettbewerbsbeitrag "Alla rivoluzione sulla due Cavalli" (Zur Revolution im 2-CV) von Maurizio Sciarra mit dem Goldenen Leoparden ausgezeichnet. Die Entscheidung stieß bei Kritikern und Medien auf Proteste und Buhrufe.

Der bei Kritikern und Publikum als heimlicher Sieger geltende iranische Beitrag "Delbaran" erhielt einen Spezialpreis der Jury von 10.000 Franken (6.615 Euro/91.025 S). Silberne Leoparden gingen an "L'Afrance" (Frankreich) und "Love the hard Way" (Deutschland/USA). Bronzene Leoparden erhielten die südkoreanische Schauspielerin Kim Ho Hung für ihre Rolle in "Butterfly" (Südkorea) und Andoni Garcia, Darsteller im Siegerfilm.

Nicht zufrieden mit der Entscheidung

Zwei der acht Jurymitglieder distanzierten sich bei einer Pressekonferenz offen von der Entscheidung der Jury, "Alla rivoluzione sulla due Cavalli" mit dem Goldenen Leoparden auszuzeichnen. Die französische Regisseurin Emilie Deleuze und die italienische Schauspielerin Laura Morante erklärten, sie seien mit der Entscheidung nicht einverstanden. Morante beendete ihren Protest mit den Worten, sie habe geglaubt, die Aufgabe einer Filmfestivaljury sei es, schöne und verdienstvolle Filme zu prämiieren. Daraufhin erhob sich die amerikanische Schauspielerin Debra Winger und verließ die Pressekonferenz. Dies erklärte sie damit, sie habe angenommen, Verhandlungen der Jury seien privat. Sie habe das erste und wohl auch letzte Mal an einer Festivaljury teilgenommen.

Der Umstrittene "Road Movie"

Beim umstrittenen Siegerfilm handelt es sich um ein "Road Movie" des 46-jährigen Regisseurs Sciarra. Drei Jugendliche reisen im April 1974, zur Zeit der Anschläge der italienischen Brigate-Rosse-Terroristen, mit einem Deux-Chevaux - einer "Ente" (2-CV) - quer durch Europa nach Lissabon, wo die so genannte Nelkenrevolution im Gange ist. Während der Reise und konfrontiert mit der Revolution, reifen die Drei und merken, dass sie erwachsen geworden sind. Inspirieren ließ sich der Regisseur dabei von seiner eigenen Jugend in den 1970er Jahren in Italien.

Die Befürworter des Siegerfilms sahen in dem Streifen auch heute gültige Botschaften und mehr als einen Nostalgiefilm. Die Gegner sagten, der Wettbewerb habe weit gehaltvollere Filme geboten. Einig waren sich die acht Mitglieder nur darin, dass keiner der 19 Beitrage einstimmigen Zuspruch fand. (APA)

Share if you care.