Mindestens 76 Tote bei Überschwemmungen in Südostasien

13. August 2001, 12:20
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Wirbelsturm "Usagi" löste riesige humanitäre Katastrophe aus

Bangkok/Hanoi - Bei Überschwemmungen und Erdrutschen infolge heftigen Sturms und Regen sind am Wochenende in Südostasien mindestens 76 Menschen ums Leben gekommen. Rettungskräfte und Soldaten setzten am Sonntag die Bergungsarbeiten in der verwüsteten Provinz Phetchabun im Norden Thailands fort, wo nach Angaben des Zivilschutzes noch etwa 30 Menschen vermisst wurden. Im Distrikt Lom Sak wurden 300 Häuser durch Schlamm- und Wassermassen zerstört, die der Wirbelsturm "Usagi" ausgelöst hatte. Rund eintausend Menschen wurden obdachlos. Sieben Dörfer in der Provinz wurden unter Steingeröll begraben.

Im Norden Vietnams entspannte sich die Lage am Sonntag. Dort waren am Vortag drei Menschen getötet worden, als "Usagi" über das Land hinwegfegte. Auf den Philippinen wurden am Sonntag fünf Menschen vermisst, nachdem vier südliche Provinzen von Überschwemmungen heimgesucht worden waren.

"Trompeten eines Elefanten"

Bewohner von Lom Sak berichteten von einem ohrenbetäubenden Geräusch wie dem "Trompeten eines Elefanten", als die Fluten den Berg Kor herabgerauscht seien. Binnen Minuten seien die Wassermassen auf fünf Meter angestiegen und hätten alles mit sich gerissen. Die meisten Opfer waren Kinder und Frauen, die im Schlaf überrascht wurden. Andere konnten sich auf Bäume retten. Wie ein Sprecher des Zivilschutzes sagte, gaben die rund 100 Einsatzkräfte die Suche nach Überlebenden auf. Sie beschränkten sich auf die Bergung von Toten. Die Arbeiten wurden durch Tonnen von Schutt und Schlamm behindert. Eine Brücke wurde zerstört, mehrere Straßen waren blockiert. Anhaltende Niederschläge hatten die Felder und Gebirgshänge in der nördlichen Region schon in der vergangenen Woche mit Regenwasser getränkt.

Der thailändische Gesundheitsminister Sudarat Keyuraphan sagte, zehn medizinische Teams seien in das Katastrophengebiet entsandt worden, um Verletzte zu versorgen und den Ausbruch von Seuchen zu verhindern. Regierungschef Thaksin Shinawatra reiste in die Unglücksregion. Er kündigte an, ähnlichen Katastrophen solle in Zukunft vorgebeugt werden. Man werde den Fluss der Wassermassen vorausberechnen und die Besiedlung dieser Schneisen verhindern. Neben der Abholzung von Wäldern gilt die illegale Besiedlung von Gebirgshängen als Hauptgrund für die verheerenden Überschwemmungen. (APA)

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