ConSors: Verluste im Rahmen der Erwartungen

14. August 2001, 12:22
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Kein Stimmungsumschwung an den Börsen erwartet - Verlust von 70 Millionen Euro prognostiziert - Stellenabbau

Nürnberg - Der Nürnberger Online-Broker Consors wird nach eigener Einschätzung in diesem Jahr tiefrote Zahlen schreiben und will sich trotz eines Sparkurses nicht festlegen, ob er 2002 wieder Gewinn erwirtschaften wird. Mit einem Stimmungsumschwung an den Börsen sei bis Ende des Jahres nicht mehr zu rechnen, weshalb der zweitgrößte deutsche Internet-Broker nur noch einen schwachen Kundenzulauf und einen Verlust von 70 Mill. Euro (963 Mill. S) erwarte und Stellen abbauen werde, sagte Vorstandschef Karl-Matthäus Schmidt am Dienstag in einer Telefonkonferenz.

In den ersten sechs Monaten dieses Jahres stieg der Nettoverlust auf 35,7 Mill. Euro und fiel damit geringer aus als Analysten erwartet hatten, deren Prognosen im Mittel bei 37 Mill. Euro lagen. Im Börsenboom vor einem Jahr hatte ConSors noch 7,0 Mill. Euro Gewinn erzielt. Der Aktienkurs pendelte am Dienstag um seinen Vortageswert.

Neukundenzahl wird nicht erreicht

Die Anfang des Jahres angepeilte Zahl von neuen Kunden wird ConSors in diesem Jahr voraussichtlich weit verfehlen. Im zweiten Halbjahr seien nur 10.000 neue Depots in Deutschland und zwischen 6.000 und 8.000 Neukunden im Ausland zu erwarten, sagte Firmengründer Schmidt. Im ersten Halbjahr hatte ConSors netto, also abzüglich der Kündigungen anderer Depots, 23.000 Kunden gewonnen. Schmidt rechnete Anfangs für 2001 mit 215.000 neuen Kunden im In- und Ausland. "Heute ist das Neukundengeschäft nicht mehr so wichtig", sagte er am Dienstag. Ende Juni 2001 habe ConSors nahezu 550.000 Kunden gehabt, hieß es.

Auf die Börsenflaute will ConSors mit einem weiteren Stellenabbau reagieren und sich stärker auf die Beratung von Kunden über Fonds und Altersvorge-Produkte ausrichten. Damit sollten neue Kundengruppen adressiert und neue Geschäftsfelder erschlossen werden. Allein in Deutschland sollen bis Jahresende weitere 180 Stellen gestrichen werden. Ziel sei eine Zahl von 800 Beschäftigten, sagte Schmidt. Im Februar waren es noch 1090 gewesen. Auf Kündigungen wolle er wenn möglich verzichten.

Inlandsgeschäft positiv

Das Geschäft im Inland werde im kommenden Jahr wieder mit einem leicht positiven Ergebnis abschließen, bekräftigte eine Sprecherin. Ob sich damit auch die Anlaufverluste im Ausland kompensieren ließen, sei fraglich. "Über das Konzernergebnis können wir noch keine Aussage machen", sagte sie. "Ich sehe auch für das erste Halbjahr 2002 schwarz", sagte Schmidt mit Blick auf die Börsen.

Bis zum Ende des Jahres dürfte sich der bisher aufgelaufene Verlust bei ConSors noch einmal verdoppeln. "Wenn die Märkte so bleiben, müssen wir davon ausgehen", sagte Finanzvorstand Uwe Schroeder-Wildberg. Der Verlust vor Steuern summierte sich im ersten Halbjahr auf 62,2 Mill. Euro, im zweiten Quartal waren es allein 35,7 Mill. Euro.

"Wir sind nicht zufrieden mit dem ersten Halbjahr", betonte Schmidt. In den ersten sechs Monaten 2001 seien die operativen Erträge (Provisions-, Zins- sowie Handelsergebnis) um 27 Prozent auf 101,7 Mill. Euro gesunken, während die Aufwendungen um 34 Prozent auf 160,5 Mill. Euro stiegen. Die Zahl der Transaktionen sei um ein Drittel auf 4,2 (6,3) Mill. geschrumpft. Dennoch habe sich das in den ersten drei Monaten noch um elf Prozent gesunkene Kundenvermögen von April bis Juni um vier Prozent auf 8,5 Mrd. Euro erhöht. Vor allem das um 15 Prozent auf eine Mrd. Euro gestiegene Fondsvolumen habe dazu beigetragen. Der Marketingaufwand sei im ersten Halbjahr um 26 Prozent auf 24,2 Mill. Euro abgebaut worden. (APA/Reuters)

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