"Tunnelgegner" Knoflacher versus Autofahrerlobbyisten

12. August 2001, 18:45
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Tunnelkommission: Gröbere Differenzen zeichnen sich ab

Wien - Die von Infrastrukturministerin Monika Forstinger (FPÖ) eingesetzte Tunnelsicherheitskommission soll heute, Montag, im Wiener Verkehrsressort zum ersten Mal tagen. Hermann Knoflacher, Professor für Verkehrsplanung und Verkehrswesen an der TU Wien, wird dem Expertenrat vorsitzen. Dabei sein werden unter anderem auch die Verkehrsklubs ARBÖ und ÖAMTC - und allein damit scheinen auch schon größere Auseinandersetzungen in der Kommission programmiert.

Die Klubs verfechten (als Lobbyisten für mehr als zwei Millionen Autofahrer) vehement einen Ausbau der Straßeninfrastruktur. Knoflacher ist für das exakte Gegenteil. Und das ließ der Professor die Kommissionsmitglieder bereits vor der ersten Sitzung wissen: Jeder Bauingenieur wisse, dass Tunnelbauten wenn möglich zu vermeiden seien, sagte er am Wochenende. Dennoch sei es "fesch" geworden, Tunnels zu errichten. Obwohl jeder wisse, dass die Entscheidung um den ein-oder zweiröhrigen Ausbau einer Anlage "eine Frage der Wirtschaftlichkeit und nicht der Verkehrssicherheit" sei.

Studien zeigten, so der TU-Experte, dass die Unfallrate in einröhrigen Tunnels um bis zu 20 Prozent geringer ausfalle als in zweiröhrigen. Der einzige Vorteil der zweiten Röhre sei, dass die Lenker "das Gefühl der Bequemlichkeit und des ungehinderten Fahrens" hätten. "Aber hier wird Bequemlichkeit mit Sicherheit verwechselt", so Knoflacher.

Zusätzliche Ausstattungen sinnvoll

Dem Professor zufolge bringen Begrenzungen des Tempos sowie der Verkehrsmengen in den Tunnels weit mehr für die Sicherheit als eine zweite Röhre. Zusätzliche Ausstattungen wie Rettungsnischen oder Umluftsysteme seien natürlich sinnvoll. Aber grundsätzlich, so Knoflacher, gilt: "Es gibt keine gefährlichen Tunnels - es sei denn, es fällt einem ein Trumm auf den Kopf. Die Tunnels in Österreich sind technisch einwandfrei. Die Gefährlichkeit kommt von den Autofahrern."

Tatsächlich hat sich der neue Tunnelsicherheitskom- missar bereits in der Vergangenheit deutlich gegen verschiedenen Kavernenprojekte ausgesprochen. Nach dem Tauerntunnelbrand lehnte er eine "voreilige Entscheidung" für eine zweite Röhre ab. Mit den dafür benötigten Mitteln (nach jüngsten Planungen über zwei Milliarden Schilling) sei ein "Vielfaches mehr an Sicherheit" zu machen. Auch der Plöckentunnel (Pinzgau), die Tunnelumfahrung Bad Aussee und sogar der Semmeringbahntunnel stießen bei Knoflacher auf vehemente Ablehnung. (chr/DER STANDARD, Print, 13.8.2001)

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