Hedge-Fonds bergen ihr Risiko

15. August 2001, 18:14
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Immer mehr kleine heimische Anleger interessieren sich für diese spekulative Investmentmöglichkeit

Hedge-Fonds dürfen so ziemlich alles. Sie können zum Beispiel Aktien "shorten", also im Prinzip heute versprechen, zu einem Zeitpunkt in der Zukunft Aktien zu verkaufen, die sie gar nicht besitzen. In Österreich sind nun einige Hedge-Fonds auf dem Markt, in die auch Nicht-Euro-Millionäre einsteigen können.

Wer das Risiko scheut, kann sich in eine Variante mit Kapitalgarantie einkaufen. Riskantere Anlagen wie Hedge-Fonds brachten großen Anlegern oft märchenhafte Renditen - manchmal aber auch albtraumhafte Verluste.

Der Vorteil der Performance der Hedge-Fonds: Ihre Erträge schwanken nicht im Einklang mit den Weltbörsen. Deshalb streuen diese alternativen Anlagen das Risiko des Gesamtportfolios, wenn sie mit traditionelleren Investitionsformen gemischt werden.

Hedge-Fonds werden in Österreich meist in Form von anleiheartigen Konstruktionen angeboten. Sie haben dann eine vorbestimmte Laufzeit. Über die Value-Vision-Zertifikate der HypoVereinsbank investierten Kleinanleger 312 Mio. Euro (4,3 Mrd. S) in Hedge-Fonds. Nur etwa ein Sechstel davon verlangte die abgesicherte Variante des Value-Vision-Zertifikats.

Auch die 16,03 Mio. Euro, die in Österreich über die Bank Austria abgesetzt wurden, flossen in das Garantieprodukt. Friedrich Galavics von der Bank Austria: "In Österreich ist der konservative Anlegertyp häufig vertreten." 2,25 Prozent auf den Wert der Schuldverschreibung müssen die privaten Investoren pro Jahr dafür hinlegen, dass sie auf jeden Fall ihr eingesetztes Kapital zurückerhalten.

Garantie

"Sollte die Performance gleich null oder negativ sein, so werden auch die 2,25 Prozent nicht vom Kapital abgezogen", so Galavics. Die Zertifikate orientieren sich an einem Index, der 25 bis 30 amerikanische Total Return Fonds abbildet. Totaler Ertrag (Total Return) heißt hier, dass der Fondsmanager einen Ertrag von rund zehn bis zwölf anstrebt - egal wie die Lage auf den Kapitalmärkten gerade ist. Mit dem Value-Vision-Zertifikat etwa wird eine Long/Short-Equity-Strategie verfolgt. Dafür kauft der Fondsmanager unterbewertete Aktien in Erwartung steigender Kurse und verkauft zugleich überbewertete, mittels Wertpapierleihe beschaffte Titel. So sind Erträge bei steigenden wie bei fallenden Aktienkursen möglich. Solche Long/Short-Strategien funktionieren wie Wetten auf die Entwicklung von Aktien, Währungen oder Zinsen.

Hedge-Fonds sind Produkte für erfahrene Anleger, die sich als Beimischung eignen. Man sollte "nicht sein gesamtes Geld in Hedge-Fonds investieren, sondern etwa zehn bis zwanzig Prozent", empfiehlt Anita Köninger, Leiterin der Kommunikation von Schoeller Capital Management. Im Falle der Value-Vision-Zertifikate kann man schon mit 5000 Euro einsteigen.

Dabei werden zum Beispiel Risikokennzahlen und die Stärke der Korrelation mit den Kapitalmärkten bewertet. Eine ähnliche Möglichkeit, in Hedge-Fonds zu investieren, schuf kürzlich die Erste Bank mit den "CIS Notes". Auch hier wurde die Konstruktion einer Schuldverschreibung verwendet. Mit 10.000 Euro Mindesteinsatz sind auch private Anleger dabei. Durch eine Streuung des Kapitals auf mehrere Strategien und Märkte erreichte der CIS Fund bisher konstante Erträge bei geringen Wertschwankungen.(STANDARD-Mitarbeiterin Doris Hummer, Der Standard, 23.08.2001)

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