Mazedonien: Unerwünschter Friede - von Gerhard Plott

12. August 2001, 20:22
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Ob das fertig ausverhandelte Friedensabkommen für Mazedonien am Montag planmäßig unterzeichnet wird oder nicht, ist eigentlich nur noch von akademischer Bedeutung - in der Realität hat es keine Auswirkung, es ist das Papier nicht wert, auf dem es gedruckt wurde. Wochenlang haben internationale Vermittler auf slawische und albanische Mazedonier eingeredet, dem Frieden wenigstens eine kleine Chance zu geben. Herausgekommen ist dabei nichts, sieht man vom stetig zunehmenden Blutvergießen einmal ab. Der Eindruck drängt sich auf, dass Frieden im Land von verantwortungslosen Verhandlern auf beiden Seiten gar nicht erst gewünscht wird.

Slawisch-mazedonische Nationalisten halten jeden Kompromiss mit den Albanern für glatten Hochverrat, Toleranz kennen sie nicht. Ihr Kampf gegen "Terroristen" macht nicht einmal vor Angriffen auf die Zivilbevölkerung oder dem Abfackeln von Moscheen Halt. Auf der anderen Seite sind die Hardliner der U¸CK um keinen Deut besser: Sie haben bereits einen Großteil der Albaner für einen Krieg mobilisiert und planen kompromisslos die Zerstörung des jungen Kleinstaates.

Was soll der Westen nun tun? Zwei wild gewordene Balkanvölker sich selbst überlassen und warten, bis sich die Konfliktparteien "ausgeblutet" haben, wie Zyniker meinen? Aber der Westen kann und darf die Hände nicht tatenlos in den Schoß legen. Eine Kapitulation in Mazedonien wäre schon allein angesichts drohender Flüchtlingswellen ein Verrat an der Humanität, an allen demokratischen und rechtsstaatlichen Werten, die man sich im Westen so gerne und stolz auf die Fahnen schreibt.

Das Problem ist, dass der Westen keinen Frieden "erhalten" kann, weil es keinen gibt. Westliche Truppen müssten den Frieden schaffen - wenn nötig mit Gewalt. Doch dazu ist niemand bereit. Also hofft man weiter auf mazedonische Vernunft - auch wenn diese Hoffnung unvernünftig und unbegründet ist. (DerStandard,Print-Ausgabe,13.8.2001)

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