Kleinanleger klagt Deutsche Bank

14. August 2001, 16:13
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Wegen "des Verdachts des Betruges" - Bank will nicht kommentieren

Frankfurt/Hannover - Die Deutsche Bank will zu der von einem Telekom-Aktionär gestellten Strafanzeige wegen einer Kaufempfehlung des Instituts in der vergangenen Woche keine Stellungnahme abzugeben. "Wir kommentieren das nicht", sagte ein Sprecher des Frankfurter Geldhauses am Dienstag auf Anfrage. Die Bank hatte Anfang vergangener Woche ihre Kaufempfehlung für die Aktien der Telekom bekräftigt und am Tag darauf 44 Mill. T-Aktien im Auftrag eines nicht genannten Anlegers verkauft. Darauf war die T-Aktie massiv unter Druck geriet. Allein in der vergangenen Woche verlor der Wert 20 Prozent seines Kurses. Am Dienstag erholte sich die T-Aktie erstmals seither wieder leicht.

Die Frankfurter Staatsanwaltschaft konnte den Eingang der Strafanzeige des Telekom-Aktionärs gegen die Deutsche Bank nicht bestätigen. Dies müsse erst geprüft werden, was ein paar Tage in Anspruch nehme, sagte ein Sprecher der Behörde. Die "Telebörse" hatte erstmals am Montagabend über eine solche Anzeige berichtet. Die Telekom selbst hatte die Vorgehensweise der Deutschen Bank massiv kritisiert und das Geldhaus um eine Klärung der Angelegenheit geben. Am Dienstag gewann die T-Aktie zeitweise fast fünf Prozent auf über 20 Euro (275 S).

"Wegen des Verdachts des Betruges"

In dem Schreiben des Anwalts des Klägers, Hans-Joachim Wiebe, das der Nachrichtenagentur Reuters vorliegt, heißt es: "Es wird zu ermitteln sein, welche Gründe die Deutsche Bank zur Kaufempfehlung veranlasst haben und ob zu diesem Zeitpunkt die Platzierung des Aktienpakets in Höhe von 44 Mill. Aktien ebenfalls schon geplant war, so dass der Bank bewusst war, dass entgegen der bei einer Kaufempfehlung zu erwartenden Gewinne entsprechende der Käufer am Dienstag durch zu erwartenden Kursverlust zu verzeichnen sein würden". Es scheine angeraten, gegen die Verantwortlichen der Deutschen Bank "wegen des Verdachts des Betruges zum Nachteil der Aktionäre" zu ermitteln, heißt es weiter.

Wiebe sagte am Dienstag mit Blick auf die Klage seines Mandanten: "Der Mann fühlt sich durch die Deutsche Bank betrogen." Er habe wegen der Kaufempfehlung der Deutschen Bank Aktien der Telekom in dem Glauben gekauft, dass sich ein Einstieg in das Papier lohne. Dann habe die Deutsche Bank aber selbst das Riesen-Paket T-Aktien verkauft. Zugleich räumte Wiebe der Klage jedoch nur geringe Chancen auf Erfolg ein. Der sei sehr unwahrscheinlich, dass hier ein Betrug nachgewiesen werden könne. "Ich bin der sehr realistisch und mein Mandant auch", sagte der Anwalt. Insgesamt zeuge das Vorgehen der Deutschen Bank jedoch von einem "sehr, sehr schlechten Geschmack". (APA/Reuters)

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