Großoffensive vor Waffenstillstand

12. August 2001, 21:22
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Die schwersten Kämpfe seit fünf Monaten erschütterten Mazedonien

Skopje/Thessaloniki - Am Vorabend der für Montag geplanten Unterzeichnung eines weitreichenden politischen Abkommens zwischen Slawo-Mazedoniern und Albanern ist Mazedonien am Wochenende von den bisher schwersten Kämpfen seit fünf Monaten erschüttert worden. Am Samstag starteten die mazedonischen Sicherheitskräfte größere Offensiven gegen die albanische Rebellenarmee UCK in und um Tetovo sowie an der Grenze zum Kosovo.

Diese Gefechte, bei denen die Regierungstruppen Panzer und Hubschrauber einsetzten, forderten zwölf Verletzte. Die Zivilbevölkerung der zu 85 Prozent albanisch bevölkerten Stadt Tetovo verbachte wieder Stunden in den Kellern.

Am Sonntag griffen nach mazedonischen Regierungsangaben UCK-Rebellen den Polizeiposten im Dorf Ljubanci an, das nur fünf Kilometer von der Hauptstadt Skopje entfernt liegt. In Skopje konnten die Rauchsäulen beobachtet werden, die von den detonierenden Granaten hervorgerufen wurden. Insgesamt starben seit dem letzten Mittwoch, dem Tag, an dem die Unterzeichnung des politischen Abkommens für Montag angekündigt worden war, 19 mazedonische Soldaten und Polizisten und 16 UCK-Kämpfer.

Das Abkommen, das letzte Woche in Seebad Ohrid bei Verhandlungen zwischen den wichtigsten slawo-mazedonischen und albanischen Parteien und unter Vermittlung der Unterhändler Francois Léotard (EU) und James Pardew (USA) fertig ausgehandelt worden war, sieht Verfassungs- und Gesetzesreformen vor, die zur Gleichstellung der ethnischen Albaner in Mazedonien führen könnten.(DerStandard,Print-Ausgabe,13.8.2001)

Standard-Mitarbeiter Gregor Mayer
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