Ötzi, der Mistkäfermann

18. August 2001, 00:01
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Reste von Wanzen und Wespen wurden zum Beispiel gefunden

Innsbruck - Nicht nur Flöhe, auch andere Insekten sind Ötzi ins "Ewige Eis" gefolgt. In den Fell-, Leder- und Gewandteilen sowie im Köcher des Eismannes haben sich unter anderem Reste von Mistkäfern, Wanzen, Ameisen, Fliegen und Wespen gefunden. Dies teilte der Innsbrucker Univ.-Prof. Wolfgang Schedl vom Institut für Zoologie und Limnologie mit.

Als bemerkenswert wurde von Schedl das Vorkommen des so genannten "Tannenborkenkäfers" in den Beifunden der Gletschermumie bezeichnet. Dies lasse darauf schließen, dass es im heutigen, nahezu baumlosen Vintschgau, viel mehr Tannen gegeben habe. Demnach hätten damals andere Klima- und Vegetationsbedingungen vorgeherrscht.

Neben "Kurzflüglern", Dung-, Marien- und Borkenkäfern seien Schlupf- und Faltenwespen nachweisbar gewesen. Auch Tau- und Schwebfliegen, Kleinzirkaden, Blatt- und Menschenflöhe sowie Birkenwanzen habe der Wissenschafter identifizieren können. Viele der Insekten seien wahrscheinlich von Ötzi in der Kleidung mitgetragen worden, schloss der Forscher das Vorkommen aller Tiere im hochalpinen Bereich aus.

"Insektenfamilien"

Die Insektenfunde würden ausschließlich in Resten vorliegen. Ein vollständig erhaltenes Exemplar sei bisher nicht gefunden worden, bedauerte Schedl. Bei rund 95 Prozent der Fragmente könnten überdies keine Angaben zur Arten- oder Gruppenzugehörigkeit gemacht werden. Aber es sei teilweise möglich gewesen, Aussagen zu den "Insektenfamilien" zu treffen. So hätten etwa aus Flügel- oder Beinresten Rückschlüsse gezogen werden können.

Die Weichteile der Insekten hätten die 5.300 Jahre im Eis nicht überdauert. Erhalten seien die verhärteten, d.h. "sklerotisierten" Teile. Von den zwei Menschenflöhen, die bei Ötzi gefunden worden waren, seien beispielsweise die Köpfe "nahezu komplett" erhalten. Es bestehe jedoch die Möglichkeit, dass die dazugehörigen Hinterleiber auch noch gefunden werden.

Auswertung noch nicht abgeschlossen

Die Gletschermulde in der Ötzi entdeckt worden war, wurde nämlich "abgesaugt", erläuterte der Zoologe. Die Auswertung dieser Proben sei noch nicht abgeschlossen. Es bestehe durchaus eine Chance, dass hier noch andere Parasiten ans Licht befördert werden. Das Ergebnis aus diesem "abgesaugten" Material werde jedoch "mit Vorsicht" zu genießen sein, da Tiere auch erst viel später ins Eis gekommen sein könnten. Auf der Haut der Frostmumie konnten keine Insekten mehr nachgewiesen werden, da Ötzi nach seiner Entdeckung gewaschen worden war.

Beim Eismann handelt es sich um die derzeit älteste, unter natürlichen Umweltbedingungen konservierte Mumie der Welt. Der archäologische Sensationsfund war am 19. September 1991 etwa 300 Meter unterhalb des Hauslabjoches, in einer namenlosen Felsrinne entdeckt worden. Diese Stelle liegt im Permafrostbereich der Hochalpen auf rund 3.200 Meter Seehöhe und befindet sich etwa 90 Meter von der italienisch-österreichischen Grenze entfernt, auf dem Hoheitsgebiet der Autonomen Provinz Bozen (Südtirol). (APA)

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