Begeisterung bei Orchestermatinee im Bregenzer Festspielhaus

14. August 2001, 16:20
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Das Tschaikowsky Symphonie Orchester Moskau kämpft ums Überleben

Bregenz - Mit frenetischem Beifall quittierten die Besucher im praktisch ausverkauften Bregenzer Festspielhaus Sonntag die Orchestermatinee des Tschaikowsky Symphonie Orchesters Moskau unter ihrem Chefdirigenten Vladimir Fedoseyev. Balsam für die Musiker, denn das Orchester lebt trotz seines Renommees quasi von der Hand in den Mund.

Die finanzielle Lage des traditionsreichen ehemaligen Radio-Symphonieorchesters Moskau ist äußerst kritisch, ebenso die menschliche Situation, schildert Fritz Jurmann, Musikexeperte von Radio Vorarlberg, im Programmheft. Kürzlich verübten zwei Orchestermitglieder Selbstmord, weil sie nicht mehr ein noch aus wussten.

Hintergrund ist, dass das in vollem Wortlaut Staatliches Akademisches Großes Tschaikowsky-Symphonie-Orchester lautende russische Orchester vom Staat kaum Unterstützung erhält. Anfang 1998 wurde ihm in einem lakonischen Schreiben des Kulturministeriums mitgeteilt, dass man sich nicht in der Lage sehe, Gehälter auszuzahlen. Mittlerweile würden wieder spärlich Mittel fließen - etwa 600 Schilling pro Musiker und Monat. Im schweizerischen St. Gallen wurde ein Verein der Freunde dieses Orchesters gegründet, um - mit mäßigem Erfolg - für jeden Musiker einen persönlichen Sponsor zu finden. Auch Chefdirigent Fedoseyev sprang immer wieder mit privaten Mitteln ein.

Auslandstourneen

"Der wichtigsten Eigenbeitrag des Klangkörpers zu seinem Überleben besteht in seinen zahlreichen Auslandstourneen", schreibt Jurmann. Möglich werden diese erst durch einen Generalsponsor, eine Ölgesellschaft, der die Reise- und Transportkosten übernimmt. Die Musiker nehmen für ihre Tourneen dafür größte Strapazen auf sich. So gaben sie beispielsweise vergangenen Herbst in Großbritannien 15 Konzerte in 16 Tagen und legten nachts im Bus tausende Kilometer zurück.

Auf der Bühne lässt das Orchester die Zuhörer von seiner prekären Lage nichts ahnen. In Bregenz standen in einem Arrangement von Fedoseyev die Suite aus dem Ballett "Der Nussknacker" des Namenspatrons Peter I. Tschaikowsky sowie Modes Mussorgskys "Bilder einer Ausstellung" in der Orchesterfassung von Maurice Ravel auf dem Programm. (APA)

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    Das Festspielhaus bei Nacht

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